Historische Berliner Urinale


Glück gehabt!
Das Internet kann noch nicht stinken!


Kaum eine Stadt hatte mehr dieser seltsamen, skurrilen Häuschen in der Nähe von Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen wie Berlin. Gemeint sind kleine, hohe Häuschen, in der klassischen Form achteckig mit vorgesetzter Blende, fast immer grün und meist ziemlich rostig: Urinale. Sie gehören wie die eigentlichen Denkmäler zu den am verbreitesten, typischsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. In Berlin-Cartoons von Zille oder Seyfried sind sie festgehalten und wiederzufinden, und eines der einmal von Reisenden und Stadtfotografen vielleicht am meisten abgelichteten Häuschen dieser Art stand vor dem ehemaligen Stettiner Bahnhof:


Stettiner Bahnhof, kolorierte Postkarte

Aus dem einen oder anderen Grund sind diese Toilettenhäuschen trotz Denkmalschutz vom Aussterben bedroht. Einer der Gründe sind die unzähligen Buddel- und Bastelarbeiten an der Hauptstadt. "Unsere Stadt soll schöner werden" verträgt sich offenbar mehr marmorverkleideten, selbstreinigenden Automatentoiletten mit integrierter Werbefläche als mit rostigen, historisch geformten und manchmal sogar noch stinkenden Stahlurinalen. - Letztendlich sind die modernen Automatentoiletten auch ein Beitrag zur Gleichberechtigung, denn die die klassischen Urinale waren nur für Männer.

Seit Mitte der 90er Jahre sind die Toilettenhäuschen privatisiert, diese Privatisierung hat ersteinmal aber nicht viel mehr als die Einzäunung der meisten Lokalitäten gebracht hat. Die Restauration eines solchen Objekts kostet zwischen 100.000 und 125.000 €. Obwohl diese Kosten eigentlich durch die genehmigte Aufstellung und den Betrieb großflächiger Werbeplakate finanziert werden sollte, wurde auch die Erhöhung der Gebühr der Automatentoiletten von 50 Pfennig auf 50 Eurocent mit den Kosten für die Renovierung der historischen Objekte begründet.

Die heute noch sichtbaren grünen Häuschen stammen ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden aufgestellt in der Zeit, in der Berlin explosionsartig wuchs und damit gleichzeitig auch die hygienischen Probleme in der Stadt eskalierten. Die ersten Diskussionen dazu wurden wohl schon 1834 geführt, aber erst nachdem Kaiserin Viktoria auf einer Fahrt durch die Stadt jemanden auf der Straße hat urinieren sehen sei der Durchbruch zur Installation von öffentlichen Toiletten gekommen. Die erste Urinieranstalt wurde 1863 aufgebaut, bis 1876 standen mehr als fünfzig an Straßen und Plätzen der Stadt. Eines davon stand um die Jahrhundertwende wahrscheinlich auch auf dem Alexanderplatz:


Alexanderplatz um 1900, nachbearbeitetes Foto

Von diesen Häuschen gibt es einige Varianten in Form und Funktion, aber der achteckige Grundriß ist fast immer der gleiche. Eine spezielle Bezeichnung für die Urinale im Berliner Wortschatz ist das "Cafe Achteck" wegen dieser achteckigen Form. Heute sind noch etwa dreißig erhalten, einige davon allerdings in abgebautem Zustand. Folgend eine Fotosammlung zu ausgewählten, historischen Toilettenhäusern in Berlin:


Mariendorf, U-Bhf. Alt-Mariendorf Tegel, S-Bhf. Waidmannslust Charlottenburg, Goslarer Brücke Charlottenburg, Goslarer Brücke, Detail
Alt-Moabit, Wiebestraße Alt-Moabit, Wiebestraße, Detail Wedding/Gesundbrunnen, Am Humboldthain mit AEG Wedding/Gesundbrunnen, Am Humboldthain
Wedding/Gesundbrunnen, Liesen/Gartenstr. vor der S-Bahn-Brücke Wedding/Gesundbrunnen, Liesen/Gartenstr. unter der S-Bahn-Brücke Wedding, Malplaquet Ecke Utrechter Str. Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor

Fotosammlung zu Berliner Toilettenhäuschen (1)

Mariendorf, U-Bhf. Alt-Mariendorf Mariendorf, U-Bhf. Mariendorf (39kB JPEG) - Hinter dem U-Bahnhof Alt-Mariendorf neben dem Ausgang des Biergartens liegt eines der neu renovierten Toilettenhäuschens. Es ist nicht nur sauber gestrichen und entrostet, sondern auch eines der wenigen noch begeh- und benutzbaren Cafe Achtecks. Das Foto ist vom Herbst 1998.

Tegel, S-Bhf. Waidmannslust 1993/4 Tegel, S-Bhf. Waidmannslust (53kB JPEG) - Am S-Bahnhof Waidmannslust bzw. am Waidmannsluster Damm stand im Winter 1993/4 ein Cafe Achteck mit seltsam tiefergelegtem Mitteldach. Der Zustand zum Zeitpunkt des Fotos war noch relativ gut.

Charlottenburg, Goslarer Brücke Charlottenburg, Goslarer Brücke (71kB JPEG) - Das Cafe Achteck am Goslarer Ufer steht an der Grenze zwischen Berlin-Charlottenburg und Alt-Moabit. Es steht direkt am Ufer des Charlottenburger Verbindungskanals zwischen Westhafenkanal und Spree, der jedoch von der Grenzführung her schon zu Moabit bzw. Tiergarten gehört. Das Häuschen steht zudem an der Goslarer Brücke, die die Kaiserin-Augusta-Allee über den Kanal weiterführt. Im Frühjahr 1996 war das Häuschen noch begehbar. Das obige Foto war größtenteils Vorlage für das gerenderte Modell im einleitenden Bild, so zum Beispiel bezüglich des vereinfachten, runden Mitteldachs, der farblich abgesetzten Fenster (die sich im Nachhinein als Sonnenspiegelung herausgestellt haben), der inneren Gaslaterne und des Paravans ohne Gaslichthalter.

Charlottenburg, Goslarer Brücke, Detail Charlottenburg, Goslarer Brücke, Detail (75kB JPEG) - "Der eingesperrte Kondomautomat" - Ende 1997 wurde das Cafe Achteck am Goslarer Ufer abgesperrt. Während das Ufer für die nahegelegenen Edelbürogebäude und Appartmentblocks renoviert worden waren, blieb es für das Pissoir bei ein paar Gittern vor den Eingängen. Das Foto ist vom Herbst 1998. Auch im Herbst 2000 war der Zustand des Häuschens am Goslarer Ufer (212kB JPG) ähnlich.

Alt-Moabit, Wiebestr. Moabit, Wiebestr. (164kB JPEG) - Begehbar, aber nicht gerade in einem guten Zustand war das Cafe Achteck an der Wiebestraße Ecke Huttenstraße bei BMW 1998. Im Hintergrund sieht man Fabrikgebäude von Siemens (ehemals AEG). Allgemein ist die Umgebung industriell bestimmt. Nur eine Busstation weiter befand sich der ursprüngliche Standort der Internet-Argentur Pixelpark. Das Foto selbst ist ebenfalls vom Herbst 1998. (Die auffälligsten Graffiti am Häuschen wurden elektronisch nach dem Scan des Fotos entfernt.) Auf dem Foto ist neben dem Automaten am Paravan (nahezu identisch mit dem an der Goslarer Brücke) auch die Halter für die Außenlichter am Paravan und das nach außen geführte Gasrohr für das (nicht mehr vorhandene) Innenlicht zu sehen.

Alt-Moabit, Wiebestraße, Detail Moabit, Wiebestraße, Detail (99kB JPEG) - Das Dach des Cafe Achtecks in der Wiebestraße besitzt den klassischen, zum Teil aus dem Chinesischen adaptierten Aufsatz mit Lamellenfenster, in dem in der "Luxusausführung" wohl ein Ventilator enthalten war. Zu sehen ist auch die Halterung für das fehlende Gaslicht.

Wedding/Gesundbrunnen, Am Humboldthain mit ehem. AEG-Gebäuden Wedding/Gesundbrunnen, am Humboldthain mit ehem. AEG-Gebäuden (142kB JPEG) - Um den Humboldthain herum standen einmal mindestens zwei Toilettenhäuschen, von denen nur noch das eine an der Südspitze Hussiten- Ecke Gustav-Meier-Straße übriggeblieben ist. Auf dem Bild aus dem Spätherbst 1998 mit Schnee sind ehemalige AEG-Gebäude zu sehen, die jetzt zum Technik- und Innovationszentrum Berlin (TIB) gehören, ehemals Berliner Innovations- und Gründerzentrum (BIG). Der schneebedeckte, abgesperrte Geländestreifen im Vordergrund waren Gleisanlagen, die zu den Fabrikgebäuden führten.

Wedding/Gesundbrunnen, Am Humboldthain Wedding/Gesundbrunnen, am Humboldthain (100kB JPEG) - Das übriggebliebene Cafe Achteck am Humboldthain ist (1998) abgesperrt, ein Dachsegment ist komplett eingedrückt und auch sonst ist das Toilettenhaus in einem schlechten Zustand. Allerdings ist es eines der wenigen, die eine möglicherweise nachträglich installierte Regenrinne aufweisen.

Wedding/Gesundbrunnen, vor der S-Bahn-Brücke Wedding/Gesundbrunnen, Liesen/Gartenstr. vor der S-Bahn-Brücke (143kB JPEG) - Nur knapp zweihundert Meter vom Cafe Achteck am Humboldthain lag das sehr ähnliche Cafe Achteck am Kreisverkehr mit Garten-, Liesen-, Gericht- und Scheringstraße und der zurückgebauten Ackerstraße. Über den Platz verläuft die S-Bahn-Strecke von Nordbahnhof zum Humboldthain. Das Häuschen wurde irgendwann nach 2000 abgeräumt.

Wedding/Gesundbrunnen, Liesen/Gartenstr. unter der S-Bahn-Brücke Wedding/Gesundbrunnen, Liesen/Gartenstr. unter der S-Bahn-Brücke (76kB JPEG) - Auch das Toilettenhäuschen an der Liesen/Gartenstr. war schon 1998 abgesperrt. Vom Dach her war es in einem etwas besseren Zustand als das Urinal am Humboldthain, dafür hatte hier ein in Berlin weit umtriebiger 6-Gängster sein Unwesen mit dem Häuschen getrieben. Die Straße auf der linken Seite, in die man im Bild hineinsieht, war ehemalige Grenzstraße zur sowjetisch besetzen Zone. Dort, wo jetzt eine Friedhofsmauer links der Straße zu sehen ist, stand früher die Mauer. Ein kleiner, angenagter Rest ist an der S-Bahn-Brücke noch übrig.

Wedding, Malplaquet Ecke Utrechter Str. Wedding, Malplaquet Ecke Utrechter Str. (58kB JPEG) - Ebenso abgesperrt war das Cafe Achteck auf dem Platz Malplaquet Ecke Utrechter Straße im Wedding. Das Häuschen war stark mit Tags verunziert und sollte ggf. schon in '99 abgeräumt werden.

Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor (57 kB JPEG) - Das Toilettenhäuschen nahe dem U-Bahnhof Schlesisches Tor ist in vielfacher Hinsicht speziell. Es ist klassisch grün und aus den gleichen Elementen wie ein Cafe Achteck gebaut, aber es ist rechteckig und hat Einrichtungen für Männer und Frauen. Die Nachtaufnahme mit dem U-Bahnhof im Hintergrund ist vom Spätherbst 1998.


Neukölln, Karl-Marx-Straße Ecke Kirchhofstraße Neukölln, Sonnenallee Ecke Elbestraße Wedding, Pekingplatz Wedding, Pekingplatz, innen
Kreuzberg, Chamissoplatz bei Nacht Kreuzberg, Chamissoplatz, innen Prenzlauer Berg, Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee Alt-Moabit, Westhafen, in der Siemensstraße am Unionplatz
Kreuzberg, Am Kreuzberg Prenzlauer Berg, Gruentaler Str. Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor Tegel, Alt-Tegel

Fotosammlung zu Berliner Toilettenhäuschen (2)

Neukölln, Karl-Marx-Straße Ecke Kirchhofstraße Neukölln, Karl-Marx-Straße Ecke Kirchhofstraße (146 kB JPEG) - An der Rixdorfer Kirche steht eines der renovierten Cafe Achteck Berlins. Es ist nur wenige Meter vom S-Bahnhof Neukölln entfernt. An dem Häuschen war zum Zeitpunkt der Aufnahme tatsächlich kein Graffiti. Die einzige größere Manipulation an dem Bild ist die Entfernung einer zu deutlichen Werbung an der nebenstehenden Litfaßsäule.

Neukölln, Sonnenallee Ecke Elbestraße Neukölln, Sonnenallee Ecke Elbestraße (118 kB JPEG) - An der Sonnenallee steht auf der Mittelinsel der Elbestraße ein gemauertes Toilettenhaus, das ebenfalls Einrichtungen für beiderlei Geschlecht besitzt. Trotzdem hat es noch immer einen achteckigen Umriß und ist höchstens unwesentlich größer als ein herkömmliches Cafe Achteck. Vom Foto her gesehenen auf der Rückseite ist sogar noch ein Achtel eines mit einer Blende versehenen klassischen Urinals. Tags auf dem Mauerwerk des Häuschens sind auf dem Bild elektronisch entfernt. Das Foto ist wie alle anderen Schnee-Fotos vom Spätherbst 1998.

Wedding, Pekinger Platz Wedding, Pekinger Platz (163 kB JPEG) - Der Pekinger Platz im Wedding wird durch Nordufer und Kiautschoustraße aufgespannt. Er liegt am Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal, der schon nicht mehr zum Wedding, sondern zu Moabit/Tiergarten gehört. Der Platz existiert seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und besteht aus einer mehr oder minder gepflegten Grünanlage mit Kinderspielplatz. Das Urinal an der Spitze des Platzes wurde 1880 eingerichtet. (Was unter anderem auf der Informationstafel zu lesen ist.)

Wedding, Pekinger Platz, innen Wedding, Pekinger Platz, innen (93 kB JPEG) - Auch das Cafe Achteck am Pekinger Platz ist abgesperrt. Am schlimmsten in Mitleidenschaft gezogen sind die Fenstergitter. Gegenüber dem Eingang sind sie noch vollständig, aber am Eingang sind sie zum Teil herausgebogen, zum Teil ganz herausgeschlagen. Die Lamellen des Mitteldachs sind komplett entfernt worden. Das Hauptdach ist teilweise defekt. Die Außenwände des Toilettenhäuschens sind stark angerostet und haben Grafittispuren. Außerdem hat Cafe Achteck am Pekinger Platz keinen Frischetuchautomaten mehr. Die Fotos sind vom Winter 1998/9. Mittlerweile ist das Häuschen renoviert und wieder im Betrieb.

Kreuzberg, Chamissoplatz bei Nacht Kreuzberg, Chamissoplatz bei Nacht (58kB JPEG) - Das Cafe Achteck am Chamissoplatz in Kreuzberg ist eines der ersten gewesen, die 1996 renoviert worden waren. Dazu gehörte u.a. die Modifikation und Restauration der Fenster, die elektrifizierte Beleuchtung, das Streichen und Entrosten der Wände,...

Kreuzberg, Chamissoplatz, innen Kreuzberg, Chamissoplatz, innen (113kB JPEG) - ...vor allem aber das Ersetzen der weiß gestrichenen Urinalbereiche mit schwarzem Marmor und... tatsächlich... einer permanenten Wasserspühlung! Die Fotos sind ebenfalls vom Winter 1998/9 (Dezember 1998).

Prenzlauer Berg, Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee Prenzlauer Berg, Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee (65kB JPEG) - Das Foto vom Klohäuschen an der Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee ist vom Winter 1996/7, und damit ebenfalls aus der Zeit vor dieser Seite. An dieser Ecke liegt auch der U-Bahnhof Senefelder Straße der Linie 2. Das Urinal ist eines der wenigen (wenn nicht zumindest zu jener Zeit das einzige) im ehemaligen Ostteil Berlins.

Alt-Moabit, Westhafen, in der Siemensstraße am Unionplatz Alt-Moabit, Siemensstraße am Unionplatz und nahe Westhafen (104kB JPEG) - Das Cafe Achteck nahe dem Westhafen steht in der Siemensstraße an der Oldenburger Straße auf dem Unionplatz. Es gehörte Anfang 1999 ebenfalls zu den eingezäunten Berliner Baudenkmälern. Zu dieser Zeit war das Dach unbeschädigt, aber eine der Fensterfronten fehlte komplett. Besonderheit des Häuschens war außerdem, daß an der Innenseite des Paravans zwei Automaten installiert waren. Im Hintergrund des Fotos kann man das Hauptgebäude des Westhafens sehen. Anfang 2002 war das Häuschen überraschenderweise renoviert und sogar mit Beleuchtung am Paravan ausgestattet.

Kreuzberg, am Kreuzberg Kreuzberg, am Kreuzberg (179kB JPEG) - Der Kreuzberg ist eine Grünanlage mitten in der Stadt, auf dessem Spitze in 66 Metern Höhe ein von Schinkel entwickeltes Denkmal steht, das über einen mit Pumpen betriebenen Wasserfall ragt (sofern die Stadt mal wieder ein paar Mark gespendet bekommen hat, um den Wasserfall zu betreiben). Am Fuße des Kreuzbergs im Grün versteckt ist ein klassisches Cafe Achteck zu finden, das im Spätfrühling 2000 abgesperrt aber ansonsten vergleichsweise gut erhalten war.

Prenzlauer Berg, Gruentaler Str. Prenzlauer Berg, Grüntaler Straße (176kB JPEG) - Eines der historischen Urinale mit zwei Abteilungen wurde an der Grüntaler Straße nahe der Osloer Straße errichtet. Auf dem Bild (Foto: DD) vom Spätfrühling 2000 ist es noch eingezäunt und in Wartung. Mittlerweile sollte es jedoch wieder in Betrieb sein.

Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor Kreuzberg, am Schlesischen Tor (159kB JPEG) - Das schon weiter oben vorgestellt rechteckige Häuschen in der Nähe vom U-Bahnhof Schlesischen Tor war im Spätfrühling 2000 (gesehen von der anderen Seite und bei Tag) noch immer im gleichen Zustand wie anderthalb Jahre zuvor. (Ich habe nie getestet, ob es überhaupt betretbar ist, obwohl ich dort in der Nähe arbeitete.)

Tegel, Alt-Tegel Tegel, Alt-Tegel (148kB JPEG) - Ende 2000, Anfang 2001 wurde an den Bushaltestellen im Umfeld des U-Bahn-Endbahnhofs Alt-Tegel ein restauriertes Cafe Achteck aufgestellt. Nach einem Stadtplan von 1997, in dem auch viele andere klassische WC's markiert sind, stand dort zumindest zu dieser Zeit keine solche Einrichtung. Aber ggf. war in fernerer Vergangenheit dort ein Toilettenhäuschen zu finden, denn der Platz nahe dem Humboldtschlößchen und dem Tegeler Hafen war wahrscheinlich auch schon zur Jahrhundertwende eine Station der Pferdebusse...


Tegel, Alt-Tegel, Blickrichtung U-Bhf. Alt-Tegel Charlottenburg, Goslarer Brücke/Goslarer Ufer 2003 Kreuzberg, Yorckstr. Prenzlauer Berg, Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee 2003
Tegel, Hermsdorf, Fellbacher Platz Tegel, Hermsdorf, Fellbacher Platz, Blickrichtung S-Bhf. Hermsdorf Mitte, Gendarmenmarkt Mitte, Gendarmenmarkt
Alt-Moabit, Westhafen, Siemensstraße am Unionplatz, renoviert Alt-Moabit, Stephanplatz

Fotosammlung zu Berliner Toilettenhäuschen (3)

Tegel, Alt-Tegel, Blickrichtung U-Bhf. Alt-Tegel Tegel, Alt-Tegel, Blickrichtung U-Bahnhof Alt-Tegel (132kB JPEG) - Wer die hiesige Seite sehr genau kennt, der weiß, daß das erste Bild vom Cafe Achteck in Tegel ein anderes Bild (44kB JPEG) vom Winter 2000/2001 ersetzt, bei dem die Farben durch Film und Abzug stark verfremdet waren. Ab dem neuen Tegel-Foto sind alle Fotos digital ab Winter 2002/2003 entstanden und dann verkleinert und/oder geschnitten worden. - Nichtsdestotrotz erscheint das Häuschen am U-Bahnhof Tegel tatsächlich etwas dunkler als seine anderen renovierten Artgenossen.

Charlottenburg, Goslarer Brücke/Goslarer Ufer 2003 Charlottenburg, Goslarer Brücke/Goslarer Ufer 2003 (164kB JPEG) - Eines der von mir weiterhin oft besuchten und oft aufgenommenen historischen Urinale war das Cafe Achteck an der Goslarer Brücke. Es war auch nach mehr als sieben Jahren immernoch in seinem schrecklichen Zustand und auch der Gummiautomat verschwand. Anfang 2004 verschwand das gesamte Häuschen.

Kreuzberg, Yorckstr. Kreuzberg, Yorckstr. (180kB JPEG) - Ein Ende 2002 durch Zufall entdecktes Cafe Achteck, das das Schicksal des Häuschens am Goslarer Ufer teilt, steht in Kreuzberg in der Yorckstraße. Auch dieses Häuschen ist eingezäunt. Hier existierte zum Zeitpunkt der Aufnahme der Kondomspender zwar noch, wie man auf dem Foto andeutungsweise sehen kann, aber dafür ist der Paravan mit einem großflächigen Graffiti "versilbert", weshalb hier nur die Rückansicht gezeigt werden soll. Das Urinal wurde Anfang September 2003 entfernt und kein Ersatz in Aussicht gestellt, da der Bezirk angeblich dafür weitere Werbeflächen hätte genehmigen müssen.

Prenzlauer Berg, Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee 2003 Prenzlauer Berg, Schwedter Straße Ecke Schönhauser Allee 2003 (124kB JPEG) - Das renovierte und wahrscheinlich 1996/7 gerade aufgestellte Häuschen befindet sich ebenfalls mehr als sieben Jahre später noch im gleichen, in diesem Fall erfreulichen Zustand. Die Beleuchtung wurde dabei zum Zeitpunkt der Aufnahme als Stromlieferant für Bauarbeiten benutzt (sichtbar am Kabel an der rechten Außenlaterne).

Tegel, Hermsdorf, Fellbacher Platz Tegel, Hermsdorf, Fellbacher Platz (156kB JPEG) - 2002/3 wurde offenbar auch ein neuer Trend eingeführt: Die achteckigen Urinale werden für Männer und Frauen ausgebaut. Das ist zwar nicht revolutionär, wie das gemauerte Cafe Achteck in der Sonnenallee zeigt, aber in dieser Form eher historisierend als historisch originalgetreu. Das Cafe Achteck auf dem Fellbacher Platz in Hermsdorf ist ggf. das erste Exemplar dieser neuen Art. Es besitzt zwei Paravans mit Laternen und Eingangsschildchen (HERREN/DAMEN) vor zwei allerdings nochmal durch Milchglastüren versperrbaren Eingängen, hinter denen eine extrem moderne sanitäre Ausstattung liegt (die sich manche Berliner Schule wünschen würde).

Tegel, Hermsdorf, Fellbacher Platz mit Blickrichtung S-Bahnhof Hermsdorf Tegel, Hermsdorf, Fellbacher Platz mit Blickrichtung S-Bahnhof Hermsdorf (180kB JPEG) - Ob auf dem Fellbacher Platz in Hermsdorf jemals ein Cafe Achteck gestanden hat ist unklar. Der Standort in der Nähe des S-Bahnhofs Hermsdorf ist zumindest nicht untypisch. Das ehemals nur einen Bahnhof entfernt liegende Cafe Achteck in Waidmannslust wurde dagegen mittlerweile ersatzlos abgebaut!

Mitte, Gendarmenmarkt Mitte, Gendarmenmarkt (172kB JPEG) - Von identischer Bauart wie das Cafe Achteck auf dem Fellbacher Platz ist denn auch das Cafe Achteck auf dem Gendarmenmarkt auf der Seite des Französischen Doms, das im Juni 2003 mit großer Presse eingeweiht wurde. Es wurde betont, daß diese Objekte auch weiterhin kostenlos zu benutzen sein sollen. Dabei steht gerade das neue Objekt auf dem Gendarmenmarkt "in Konkurrenz" mit einer entsprechend kostenpflichtigen Automatentoilette an der anderen Ecke des Platzes.

Mitte, Gendarmenmarkt Mitte, Gendarmenmarkt (136kB JPEG) - Wie beim Fellbacher Platz stellt sich auch beim Gendarmenmarkt die Frage, ob dort tatsächlich jemals ein Cafe Achteck gestanden hat. In der Zeit der DDR war dies mit einiger Sicherheit jedenfalls nicht der Fall. Von daher ist dieses neue Objekt (neben denen an der Grünthaler und der Schönefelder Straße) wahrscheinlich ein weiterer Beitrag zur Reurinalisierung des Ostens. ;-)

Alt-Moabit, Westhafen, in der Siemensstraße am Unionplatz, renoviert Alt-Moabit, in der Siemensstraße am Unionplatz nahe Westhafen (212kB JPEG) - irgendwann ab 2001 wurde das Toilettenhäuschen in der Siemensstraße unmittelbarer Nähe zum Westhafen renoviert und neu aufgestellt, allerdings war noch bis Mitte 2003 (146kB JPEG) ein Zaun um das Arreal des Unionplatzes, der ebenfalls neu angelegt worden war. Ende 2003, Anfang 2004 wurde der Zaun ebenfalls entfernt.

Alt-Moabit, Stephanplatz Alt-Moabit, Stephanplatz (139kB JPEG) - Von der gleichen Bauart wie das renovierte Toilettenhäuschen in der Siemensstraße, am Chamissoplatz und einigen anderen Stellen (also klassisch nur für Männer, aber mit dunklem Marmor und Spülung) ist auch das Häuschen am Stephanplatz. Das Foto von Anfang 2004 zeigt die Ansicht mit dem laternenlosen Paravan im Vordergrund, an dem eine Plakette angebracht ist, die besagt: 'Die Restaurierung und Modernisierung des "Café Achtecks" wurde von der Wall AG durchgeführt und der Stadt gestiftet. Berlin im Dezember 2000'.

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Wer einmal ein Cafe Achteck ganz ohne Geruch von innen betrachten möchte, der mag auf das diese Seite einleitende Bild zurückgehen und es mal anklicken: es führt zu einer Tour durch ein virtuelles Urinal. (Wiedermal etwas, was im Englischen besser klingt: "Virtual Urinal". ;-) Die Bilder dazu wurden mit PoV-Ray 3.0 unter Linux 2.0 gerendert.


Quellen:

Kurt Wolterstädt
"Spaziergang durch die Geschiche Berlins"
Berlin Information 1985

Rainer Elwers
"Berlins unbekannte Denkmäler"
L&H Verlag 1998


-- jd --