Die Berliner Mengenlehreuhr


Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die Uhrzeit anzuzeigen, und eine der seltsameren Möglichkeiten nutzt die von Dieter Binninger erfundene Berlin-Uhr(R). Die Uhr wurde erstmals 1975 auf dem Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg nahe der U-Bahn-Station Uhlandstraße aufgestellt. Ursprünglich war sie der Stadt Berlin bzw. dem Bezirk Charlottenburg treuhänderisch gestiftet worden.

1995 wurde die Uhr abgeschaltet, aber schon Jahre davor war sie kaum noch in funktionstüchtigem Zustand. Die Betriebskosten (Strom und Instandhaltung) der Uhr betragen jährlich rund 5000 Euro, und weder die Stadt Berlin noch der Bezirk Charlottenburg wollen bzw. wollten diesen Preis für das Wahrzeichen tragen. So wurde die Uhr 1996 vor das Europa-Center gebracht und nahe der Touristeninformation aufgestellt, wo sie dann von Händlern des Europa-Center finanziert wurde. Das Europa-Center hat damit eine weitere ungewöhliche Uhr neben der schon von unzähligen Besuchern fotografierten Wasser-Uhr in der Haupthalle. Das kleine Titelbild verweist auf ein Foto von der Berlin-Uhr vor dem Europa-Center im März 1998. Während die Uhr auf dem Kudamm auf beiden Seiten die Zeit anzeigte, ist an ihrem neuen Standort die hintere Seite abgeschaltet. Im Dezember 1999 wurde die auf dem Foto noch sichtbare Gedenkplatte zur 750-Jahr-Feier Berlins (1987) vor der Uhr entfernt. Nach 2002 erhielt die Uhr eine Renovierung, bei der die farbigen Glaselemente ausgetauscht und mit deutlichen, schwarzen Fassungen versehen wurden. Die neuen gelben Glaselemente sind dabei deutlich mehr orange als gelb, wie ein Foto von der Berlin-Uhr von 2004 zeigt. Dies wurde in der Folgezeit wieder korrigiert. Ein Foto von der Berlin-Uhr von 2012 zeigt die Uhr wieder ohne schwarze Ränder, dafür aber abermals wartungsbedürftig.

Bei einem Java-fähigen WWW-Client und Farbbildschirm zeigt die folgende Darstellung die aktuelle Zeit in Form der Berliner Mengenlehreuhr:

Das Java-Programm dieser Uhr mit fester Darstellungsgröße ist hier per Klick zu sehen.

Die Uhr basiert auf dem Prinzip der Mengenlehre und ist damit die erste ihrer Art. Die 24-Stunden-Zeit wird durch Addition der leuchtenden Lämpchen ermittelt. Die oberste Lampe ist ein Blinker, der alle zwei Sekunden einmal an und aus geht. In der ersten Zeile von roten Lampen steht jede Lampe für 5 Stunden. In der Zeile darunter steht jede rote Lampe für 1 Stunde. Wenn in der obersten Zeile z.B. 2 und in der darunterliegenden Zeile 3 Lichter angeschaltet sind, so ist es 5+5+3 = 13 Uhr bzw. 1 Uhr nachmittags. In der dritten Zeile repräsentieren die schmaleren Lichter jeweils fünf Minuten. In dieser Zeile sind 11 Lichter, wobei das 3., 6. und 9. rot statt gelb sind, um die 1. Viertel-, die Halbe- und die 3. Viertelstunde zu markieren. In der letzten Zeile mit vier gelben Lichtern steht jedes Lämpchen für 1 Minute.

Eine teure Tischversion dieser Uhr fand sich vor dem Fall der Mauer früher in den Berliner Souvenirläden. Sofern kurzsichtig kann man mit ihr in einem großen Raum die Zeit anhand der Lichtmenge selbst dann abschätzen, wenn man die Lämpchen nicht einzeln erkennen kann. Auf der anderen Seite ist die Uhrzeit in einem sonnenhellen Raum fast kaum abzulesen, obwohl die Helligkeit der LEDs einstellbar ist. Die Tischversion besitzt eine Größe von etwa zwanzig Zentimetern, anders als beim Original sind die Lämpchen sehr beständig und sie hat zwei Weckzeiten mit einem kaum zu überhörenden Signalton. Wenn der Strom einmal für einen Moment ausgefallen ist, so blinkt die Uhr mit allen Lampen als Zeichen dafür, daß die Zeit neu eingestellt werden muß.

In den achtziger und den frühen neunziger Jahren verkauften auch einige Warenhäuser die Berlin-Uhr. - Zusätzlich zur Tischversion gab es eine Wanduhr mit Glühbirnen und eine Bilduhr ebenfalls mit LEDs aber ohne Alarm und Helligkeitseinstellung. Hergestellt wurden die Uhren in Berlin-Rudow am Zwickauer Damm.

Nach dem Tod des Erfinders und Fabrikinhabers in der Mitte der neunziger Jahre wurden die Original-Uhren nicht mehr hergestellt. Ab Ende 1999 wurde kein kaufbares Neuexemplar der Berlin-Uhr mehr gesehen. Die Uhr vom Bild nebenan ist von 1990. Nach dem Wechsel ins neue Jahrtausend ging sie an einem relativ geläufigen Fehler kaputt. Ein defekter Kondensator ließt die Uhr irregulär blinken und piepen. Wenn man die Uhr aufschraubt, so ist bei diesem Defekt das kleinere der zwei herausragenden grauen Tönnchen kaputt. Wahrscheinlich sieht man um die Tönnchen herum auch entsprechende Rußablagerungen. Ein Ersetzen der Kondensatoren behebt diesen Fehler (tatsächlich!), und so funktioniert die Uhr seit Ende Februar 2003 wieder... (Das Bild von der offenen Uhr (235kB JPEG) zeigt bereits die mit korrekter Polarisation eingelöteten neuen Kondensatoren, die ausgelöteten davor und die Werkzeuge, die für eine Reparatur gebraucht werden.)


Zurück ins irgendwo...Siehe auch: Fragen und Antworten2012-05-15 zuletzt geändert