F.W.A. Argelander

Die Positionen und Helligkeiten der Sterne

F.W.A. Argelander Portrait

F.W.A. Argelander (1799-1875), Astronom

Friedrich Wilhelm August Argelander wurde am 22. März 1799 in Memel geboren. Zum damaligen Preußen gehörend war die größte Nachbarstadt Königsberg, in der Argelander 1817 das Studium der Kameralwissenschaft - das ist die Lehre zu den Einzelheiten, die ein fürstlicher Kämmerer bzw. Beamter einer fürstlichen Kammer wissen muß - begann.

1810 war in Königsberg Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) als Direktor der Sternwarte berufen worden und gleichzeitig Professor der Astronomie an der dortigen Universität geworden. Argelander wurde von Bessel für die Astronomie begeistert, Schüler Bessels und 1820 Assistent an der Königsberger Sternwarte. Er promovierte 1822 mit einer kritischen Betrachtung der Beobachtungen von John Flamsteed (1646-1719), der 1712 eine unkorrigierte und nicht vereinheitlichte Zusammenfassung der Sternenbeobachtungen von 1676 bis 1705 veröffentlicht hatte. Flamsteed hatte damit die Grundlage für einen 1725 und dann erweitert 1728 erschienenden Himmelsatlas von 2848 exakten Fixsternpositionen geschaffen - einer der ersten bedeutenden Kataloge nach der Entdeckung des Teleskops. Flamsteed hatte auch eine bis heute erhaltene und benutzte Systematik in der Numerierung der Sterne der Konstellationen eingeführt. - Der nächste große Sternenkatalog war von Johann Elert Bode (1747-1826) 1801 mit der "Uranographia, sive astrorum descriptio" mit rund 17000 Sternen erstellt worden.

Bessel vermittelte Argelander 1823 eine Stelle als Beobachter an der Universitätssternwarte in Turku (Åbo) in Finnland. Argelander übernahm die Leitung der Sternwarte und wurde 1828 zum Professor der Astronomie ernannt. Vier Jahre später siedelte er nach Helsinki um, wohin nach der Zerstörung durch einen Brand in Turku die Universität verlegt wurde. Schon in Turku hatte er sich mit der Eigenbewegung der Sterne befaßt, woraus 1837 die Arbeit "Über die eigene Bewegung des Sonnensystems" entstand.

Ab 1836/7 begann er mit der Planung einer Sternwarte in Bonn, die durch Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) finanziert werden sollte. Dieser wurde 1840 König und setzte 1842 mit einem Kölner Dombaufest und 1843 mit einer Jahrtausendfeier des deutschen Reiches nationale Zeichen. Die Bonner Sternwarte sollte jedoch erst Mitte 1844 fertig werden und wurde 1845 eingeweiht.

Während der Bauzeit veröffentlichte Argelander 1843 einen Katalog der mit bloßen Augen sichtbaren Sterne, wobei er mit einfachen Hilfsmitteln die Helligkeiten der Sterne in einheitlicher Weise miteinander verglich. Er nannte den Katalog "Uranometria nova", angelehnt an den Sternenatlas "Uranometria" von Johannes Bayer (1572-1625, siehe Der Himmel über "Die vier Jahreszeiten" von Joos de Momper an der FUB). Für diesen Katalog hatte er die "Argelandersche Stufenschätzungsmethode" zur Helligkeitsbestimmung der Sterne entwickelt, die er auch bei seiner Zusammenstellung der Daten von 22 bekannten veränderlichen Sternen bis 1850 anwandte.

Bei der Bestimmung der Eigenbewegung des Sonnensystems im Vergleich zu den umliegenden Universum kam Argelander zum Schluß, daß ihm für eine genaue Beantwortung der Frage, ob und um welches Zentrum sich das Sonnensystem und die umliegenden Sterne bewegten zu wenig Daten zur Verfügung standen. Deshalb widmete er sich in seiner Bonner Zeit ab 1852 der exakten Bestimmung der Sternenpositionen am nördlichen Himmel.

In der WFS:

Titelseite des Atlas des nördlichen gestirnten Himmels von 1899, Polaroid

Innerhalb von elf Jahren hatte er 324.198 Sterne von +90° bis -2° Deklination mit den Assistenten Eduard Schönfeld (1828-1891) und Aldalbert Krüger (1832-1896) größtenteils mindestens zweimal in Helligkeit und Position vermessen und in einem Verzeichnis abhängig von der Deklination durchnumeriert festgehalten. So ist der Nordstern Polaris, nach dem Katalog von Bayer alpha Ursa Minoris und nach Flamsteed 1 Ursa Minor, im Katalog Argelanders der Stern 88°8. Polaris liegt heute (Epoche 2000) etwa an der Position Deklination 89°16' und Rektaszension 2 Uhr 31,5 Minuten, zur Zeit Argelanders (Epoche 1800) aber bei Deklination 88°15' und Rektaszension 0 Uhr 52,5 Minuten, was erklärt, warum in Argelanders Katalog Polaris unter der Deklination 88° verzeichnet ist.

Dieser 1863 erstmals veröffentlichte Katalog wurde als "Bonner Durchmusterung" (BD) berühmt. 1863 wurde Argelander u.a. mit Wilhelm Foerster (1832-1921) Mitbegründer der Astronomischen Gesellschaft. Im Rahmen dieser Gesellschaft, der Argelander zeitweilig auch vorsaß, wurde das internationale Zonenunternehmen gestartet, das die Durchmusterung des gesamten Himmels zum Ziel hatte. Die Gesellschaft veröffentlichte unabhängig einen Katalog von Sternen zwischen 80° und -23° Deklination um 1887 mit circa 200.000 Sternen, bekannt als der 1. Katalog der Astronomische Gesellschaft (AGK1). Bis 1868 erfolgte eine weitere Auflage der Bonner Durchmusterung.

Argelander starb mit fast 76 Jahren am 17. Februar 1875. Sein Assistent Eduard Schönfeld erweiterte bis 1886 den Katalog um 133.659 Sterne in den Zonen von Deklination -2° bis -22°. In dieser dem Bonner Katalog zugeschlagenen Musterung ist z.B. auch der hellste Fixstern des Nachthimmels Sirius bzw. Alpha Canis Majoris bzw. 1 Canis Major als -16°1591 enthalten.

Unter der Leitung von J.M. Thome (1843-1908) sollte ab 1892 der südliche Himmel an der Sternwarte von Cordoba (Argentinien) ähnlich kartografiert werden. Thome erlebte die Fertigstellung dieses südlichen Himmelsatlas jedoch nicht mehr. Es dauerte bis 1914, daß zu den Deklinationen von -22° bis -90° die "Cordoba Durchmusterung" (CD) 578.802 Sterne des Südhimmels zusammenstellte. Mit der Bonner Durchmusterung zusammen bildet diese einen systematischen Katalog von über einer Million Sternen bis etwa zehnter Größenordnung, der letzte große mit optischer Beobachtung erstellte Atlas vor der Zeit der fotografischen Himmelskartografierung.

Quellen:
Joachim Herrmann (Hrsg.): Das große Lexikon der Astronomie, Orbis Verlag 1996
Jacqueline Mitton: Penguin Dictionary of Astronomy - in Redshift 2, Maris Multimedia 1995
Fritz Krafft, Adolf Meyer-Abich (Hrsg.): Große Naturwissenschaftler - Biographisches Lexikon, Fischer Handbuch 1970
Hans F. Müller, Bertelsmann Lexikon Institut (Hrsg.): Das moderne Lexikon, Bertelsmann Lexikon-Verlag 1970


Seitenhistorie:
erstellt 1998-12-03 als himmel.99.03.html
geändert 1998-12-08 zu Argelander.html
geändert 1998-12-16 Atlas Titelseite
geändert 2000-02-08 Template

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