Nichtsdestoweniger nennt man die Sternkunde mit Recht
die Königin unter den Wissenschaften, und wer einmal
der Göttin Urania tief in die Augen geschaut hat,
den läßt es nicht wieder los, der ist ihr verfallen
bis zum Ende seiner Tage, selbst wenn es die äußeren
Verhältnisse ihm nicht gestatten sollten, ihr praktisch
zu dienen.

(Bruno H. Bürgel, in "Aus fernen Welten", Ullstein 1910)



Bruno H. Bürgel

Vom Arbeiter zum Astronomen

Bruno H. Bürgel Portrait

Bruno H. Bürgel (1875-1948), Schriftsteller und Astronom

Bruno Hans Bürgel wurde am 14. November 1875 im Sterbejahr F.W.A. Argelanders in Berlin geboren, und zwar in unehelichen und ärmlichen Verhältnissen als Stiefsohn eines Schusters. Seine erste große Begegnung mit der Astronomie sollte die Sonnenfinsternis am frühen Morgen des 19. Augusts 1887 in Berlin werden, die allerdings hinter Wolken verborgen blieb.

Nach der Schule begann er als Arbeiter sein Geld zu verdienen, las sich in der eng bemessenen Freizeit aber in die Astronomie hinein und machte Beobachtungen mit einem kleinen Ausziehfernrohr. Seine Aufzeichnungen stellte er Wilhelm M. Meyer (1853-1910) vor, der im Berliner Volksmund "Urania-Meyer" genannt wurde und der mit Wilhelm Foerster Mitbegründer der ersten deutschen Volkssternwarte Urania 1889 war und populärwissenschaftliche Vorträge zur Astronomie hielt. Meyer war lange Zeit in Göttingen als Astronom in Ausbildung und ehemaliger erster Astronom der Genfer Sternwarte gewesen. Er wurde Förderer Bürgels und verschaffte ihm eine Anstellung an der Urania-Sternwarte.

Marszeichnung nach Bruno H. Bürgel
Mars nach Bruno H. Bürgel
Von 1894 bis 1899 arbeitete Bürgel an der Urania-Sternwarte als Beobachter. An einer Volkssternwarte schloß dies Führungen für das Publikum und Ähnliches mit ein. 1897 quittierte sein Förderer bei der Urania den Dienst und wurde freiberuflich als Schriftsteller tätig. Bürgel folgte ihm nur zwei Jahre später, verdiente sein Geld mit Vorträgen und ersten Veröffentlichungen.

Sein am besten verkauftes und wohl bekanntestes Buch stellte er 1908 in einer ersten Fassung fertig: "Aus fernen Welten - Eine volkstümliche Himmelskunde". Es stellte in einer tatsächlich volksnahen Weise das Wissen um die Astronomie seiner Zeit zusammen, war reich bebildert und in einem leichten Plauderton geschrieben. Neben einer Reise durch das Sonnensystem und die Sterne bot es u.a. auch Kapitel wie "Frauen als Astronomen", "Vom Aberglauben der Sterndeuterei", "Steine, die vom Himmel fallen" und "Kometen und Kometenfurcht", die sicherlich zum Teil ebenfalls der Verbreitung des Buches förderlich waren. 1910 - im Jahre der eindrucksvollen Erscheinung des Halleyschen Kometen und nach dem Tod von Wilhelm M. Meyer - wurde das Buch erstmals im Ullstein-Verlag herausgegeben.

Bürgel "outete sich" darin als Verfechter der belebten Welten: Es gibt wohl heute kaum einen gebildeten Menschen mehr, der sich der Einsicht verschließt daß die Zahl der Erdensterne nach Millionen zählen wird. Millionen bewohnte Welten mag es in den Sternenräumen geben. Eine ganz andere Frage ist es, ob es uns je gelingen wird, eine solche Welt nachzuweisen. Insbesondere der Mars mit den zu dieser Zeit von Schiaparelli "entdeckten" "Kanälen", die Lowell sogar auf Fotografien nachzeichnete, wird als möglicher bewohnter Planet vorgestellt, obwohl Bürgel vorsichtig bleibt: Wir sehen, alles ist da noch umstritten, alles voller Fragezeichen, und nur eines bleibt bestehen: Dieser Planet hat in vielen Punkten Ähnlichkeit mit der Erde und an der Möglichkeit seiner Bewohnbarkeit kann man nicht zweifeln, wenn es auch echt menschlich und töricht ist, zu glauben, die Wesen fremder Sterne müßten in ihrem Körperbau, ihren Bedürfnissen, ihrem Wollen und Tun uns selber gleichen!

Mit fast vierzig trat Bürgel in die Armee ein. Er überlebte den ersten Weltkrieg an der Westfront als Melder, widmete sich danach weiter seiner schriftstellerischen Tätigkeit und hielt wieder populärwissenschaftliche Vorträge. Einige seiner erfolgreichsten Bücher wurden neben "Aus fernen Welten" die 1919 erstmals erschienende, autobiografische Abhandlung "Vom Arbeiter zum Astronomen", die astronomische populärwissenschaftliche Reise ins Weltall mit dem Titel "Der Stern von Afrika", der Roman "Gespenster", die ggf. in Anlehnung an die Geschichten von Kurt Laßwitz (1848-1910) geschriebenen "seltsamen Geschichten des Dr. Ulebuhle" und eine Revision und Kürzung von "Aus fernen Welten" mit dem Titel "Der Mensch und die Sterne".

Aquarell von Bruno H. Bürgel

Der Planet Saturn, von einem seiner Monde aus gesehen, im Augenblick des Untergangs am Horizont

Bürgel überlebte auch noch den zweiten Weltkrieg und starb am 8. Juli 1948 in Potsdam im Alter von 72 Jahren. Mehrere Volkssternwarten und ein Preis der Astronomischen Gesellschaft tragen heute seinen Namen.

Quellen:
Joachim Herrmann (Hrsg.): Das große Lexikon der Astronomie, Orbis Verlag 1996
Bruno H. Bürgel: Vom Arbeiter zu Astronomen, Ullstein Verlag, 1924 (45. Tausend)
Bruno H. Bürgel: Aus fernen Welten, Ullstein Verlag, 1924 (64.-73. Tausend)


Seitenhistorie:
erstellt 2000-02-04 als Buergel.html
geändert 2000-02-04

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