Giovanni Domenico Cassini

Die Ringe und die Monde des Saturn

Gemälde
Giovanni Domenico Cassini (1625-1712, Bild: Sternwarte Paris)

Nahe Nizza im Ort Perinaldo wurde Giovanni Domenico Cassini am 8. Juni 1625 geboren. Bis 1650 studierte er in Genua und Bologna und wurde dann (im Todesjahr Christoph Scheiners) Professor für Astronomie und Mathematik an der Universität in Bologna. Er ließ sich den Turm der Kirche St. Petronio zu einer Sternwarte ausbauen und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Beobachtung von Kometen.

Cassinis Valles Marineris
Mars nach G.D. Cassini
1663 wurde er beauftragt, die Zitadelle der italienischen Stadt und des Erzbischofssitz von Urbino zu befestigen. Nebenher betrieb er weiter Astronomie, so berechnete er die Abplattung des Jupiter und dessen Rotationszeit. Er verfolgte die von Galileo Galilei (1564-1642) entdeckten Phasen der Venus und die von Christiaan Huygens entdeckten Oberflächenmerkmale des Mars. So entdeckte er die Polkappen des Mars neben der von Huygens entdeckten Großen Syrte.

1668 berief ihn der Sonnenkönig Ludwig XIV. nach Paris an die Akademie der Wissenschaften als Beobachter. Spätestens hier traf er persönlich auf den seit 1666 in Paris als Universitätsprofessor agierenden Christiaan Huygens. Cassini - jetzt Jean-Dominique Cassini - wurde als Direktor der in Bau befindlichen Pariser Sternwarte eingesetzt, die erst 1672 fertig werden sollte.

Vor der Fertigstellung der Sternwarte sollten jedoch schon einige der Beobachtungsinstrumente, von Giuseppe Campani hergestellte, langbrennweitige (bis zu 40 Meter lange) Refraktorteleskope in Paris eintreffen. Ausgerechnet im Beisein von Huygens, dem Entdecker des Titan 1655, fand Cassini 1671 einen weiteren Mond des Saturn: Japetus. Dieser hauptsächlich aus Eis bestehende Mond hat als Besonderheit, daß er auf einer Seite relativ dunkel ist, so daß er von der Erde aus gesehen bei einer westlichen Elongation etwa eine Helligkeit der Größenordnung 10 aufweist, während er bei einer östlichen Elongation zwei Größenklassen dunkler erscheint. Auch dies stellte schon Cassini bei der weiteren Verfolgung "seines" Mondes fest. Dieser wahrscheinlich durch Staub verdunkelte Bereich wird nach dem Entdecker Cassinische Region genannt.

1672 konnte Cassini mit Jean Richter (1630-1696) zusammen mittels gleichzeitiger Beobachtung des Mars in Paris (Frankreich) und Cayenne (Französisch Guyana) mit 9,5 Bogensekunden einen ersten Wert für die Sonnenparallaxe, das ist die scheinbare Verschiebung der Sonne bei der Betrachtung von zwei "gegenüberliegenden" Standorten am Äquator der Erde, ermitteln. Der wahre mittlere Wert der Sonnenparallaxe beträgt 8,8 Bogensekunden und dient der Ermittlung der Entfernung Erde-Sonne.

Ebenfalls 1672 entdeckte Cassini Rhea. Das ist ein weiterer Eismond Saturns, der im Mittel sogar etwas heller als Japetus ist. Damit waren insgesamt 8 Monde und 6 Planeten des Sonnensystems bekannt, also 14 Himmelskörper, die um die Sonne kreisen. Cassini interpretierte darin eine Verherrlichung seines Arbeitgebers Ludwig XIV., weshalb es möglicherweise zwölf Jahre dauerte, bis der weiterhin als Direktor der Sternwarte aktive Cassini 1684 die Existenz der etwa gleich hellen und im Vergleich zu Rhea etwa eine halbe Größenordnung schwächeren Monde Dione und Tethys bekanntgab, obwohl auch der Sonnenkönig noch im Amt war. In der Zwischenzeit, 1675, konnte Cassini die Entdeckung einer Lücke im Ring des Saturns ausmachen, die etwa 4450 Kilometer breite Cassini-Teilung.

Collage aus Saturn und seinen Monden

Saturn und seine Monde (Collage: NASA)

Eine weitere Entdeckung Cassinis ist das Zodiakallicht, eine Himmelsaufhellung auf der Ebene der Ekliptik, die von interplanetaren Staub und dem darin reflektiertem Sonnenlicht erzeugt wird. Er vermutete, daß dies die Verbindung zwischen dem Weihnachtsstern und dem Stall von Bethlehem aus der Weihnachtsgeschichte von Matthäus sein könnte.

Am 14. September 1712 starb Cassini in Paris. Sein Sohn Jacques Cassini (1677-1756) wurde danach Direktor der Sternwarte zu Paris.

Quellen:
Fritz Krafft, Adolf Meyer-Abich (Hrsg.): Große Naturwissenschaftler, Fischer 1970
Joachim Herrmann (Hrsg.): Das Große Lexikon der Astronomie, Orbis 1996
Carl Sagan: Blauer Punkt im All, 1994, Droemer-Knaur 1996


Seitenhistorie:
erstellt 1999-03-23
geändert 1999-11-26 Mars-Karte
geändert 2000-02-04 kleine Änderungen

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