Anders Celsius

Der Astronom, der nicht zur Astronomie kam

Celsius Portrait

Anders Celsius (1701-1744)

Anders Celsius erblickte am 27. Januar 1701 in Uppsala das Licht der Welt. Nach seiner Schul- und Studienzeit wurde er schon 1730 Professor für Astronomie in der schwedischen Stadt nördlich von Stockholm. Zu dieser Zeit existierte in Schweden keine größere Sternwarte, weshalb Celsius 1732 zu einer Reise zu den wichtigsten Sternwarten Europas aufbrach, die ihn über Nürnberg und Rom 1734 nach Paris führte.

Direktor der dortigen, seit 1672 bestehenden Sternwarte war Jaques Cassini (1677-1756) Sohn von Jean-Dominique Cassini (1625-1712). Zu dieser Zeit war ein Streit zwischen englischen und französischen Astronomen über die Form der Erde aufgekommen. Um diese festzustellen sollten Expeditionen an die "Endpunkte" der Welt durchgeführt werden, um mittels exakter Gradmessung den Streit zu entscheiden. Mit der Expedition in den Norden wurde Pierre Louis de Maupertuis (1696-1759) beauftragt, dem sich Celsius anschloß. Die Expedition nach Lappland dauerte von 1736-1737 und bestätigte die Theorie Newtons zur Abplattung der Erdpole.

Nach der Expedition kehrte Celsius nach Uppsala zurück und arbeitete an der Planung und Errichtung der Sternwarte, die 1740 fertiggestellt sein sollte. Während und nach der Lappland-Expedition beschäftigte sich Celsius als erster mit den Veränderungen des Erdmagnetfelds während des Nordlichts. Er war außerdem einer der Ersten, die die Helligkeit von Sternen mit meßtechnischen Mitteln bestimmte. Nach der Fertigstellung der Sternwarte wurde er deren erster Direktor. Berühmt wurde Celsius durch seinen Vorschlag von 1742, die Temperaturskala auf einem Quecksilberthermometer unter einem bestimmten Luftdruck (760mm Quecksilber) in hundert Teile zu teilen, wobei der Siedepunkt als 0 und der Gefrierpunkt als 100 bezeichnet werden sollte. Diese Definition ermöglichte allein schon durch die Festlegung der Meßbedingungen eine genauere Temperaturmessung als mit der bisherigen Praxis, eingeführt durch den Glasbläser Gabriel Daniel Fahrenheit (1686-1736) und dem Adligen René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683-1757). Die Umkehrung der Celsius-Skala mit 0 als Gefrierpunkt und 100 als Siedepunkt des Wassers wurde erst später eingeführt.

Celsius engagierte sich auch für die Einführung der Gregorianischen Kalenderreform in Schweden. Dies war zwar schon 1700 versucht worden, hatte aber durch eine schrittweise Vorgehensweise durch den Wegfall der Schalttage von 1700 bis 1740 passieren sollen. Als dann irrtümlicherweise 1704 und 1708 doch Schalttage in die Kalender gerieten, kehrte Schweden 1712 zum Julianischen Kalender zurück. Celsius Engagement sollte erst nach seinem Tod erfolgreich sein. Celsius starb 1744 in Uppsala. Der Gregorianische Kalender wurde danach in Schweden erst 1753 durch den Wegfall von 11 Tagen eingeführt. (Quelle: calendar.faq)

Quellen:
Fritz Krafft, Adolf Meyer-Abich (Hrsg.): Große Naturwissenschaftler, Fischer 1970
Joachim Herrmann (Hrsg.): Das Große Lexikon der Astronomie, Orbis 1996


Seitenistorie:
erstellt 1999-03-26
geändert 1999-04-02 Temperaturskalen
geändert 2000-02-26 kleine Änderungen

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