Johann Franz Encke

Die Entdeckung der kurzperiodischen Kometen

Johann Franz Encke Portrait

Johann Franz Encke (1791-1865), Astronom

Am 23. September 1791 wurde Johann Franz Encke in Hamburg geboren. Er studierte Mathematik und Astronomie ab 1811 in Göttingen bei Carl Friedrich Gauß (1777-1855). 1812 trat er ein Lehramt in Kassel an und 1813 nahm er an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. 1814 übernahm er die Stelle eines Beobachters an der Sternwarte auf dem Seeberg bei Gotha, die ihm schon mit 21 Jahren angeboten worden war.

Ende 1818 entdeckte Jean Lois Pons (1761-1831) einen schwachen Kometen, der zuvor schon 1786 von Pierre Mechain (1744-1804) und Caroline Herschel (1750-1848) 1795 gesehen worden war, und dessen Bahn Encke im Januar 1819 berechnete. Bis dahin waren nur Kometen bekannt gewesen, deren Bahnen eine Umlaufzeit von 70 Jahren und mehr hatten, die im Aphel also weit hinter die Uranus-Bahn reichten. Der berühmteste Komet davon war der Halleysche Komet mit einer Umlaufzeit von rund 76 Jahren. Deshalb war die Bahn des von Pons entdeckten Kometen eine Sensation, denn seine Umlaufzeit beträgt nur rund 3,3 Jahre, der Aphel des Kometen liegt innerhalb der Jupiterbahn, der Perihel innerhalb der Merkurbahn.

Encke schickte die Berechnungen als Notiz an Gauß, Olbers und Bessel, und sein ehemaliger Mathematiklehrer ließ diese veröffentlichen. Mit der Entdeckung der kurzperiodischen Kometen wurde Encke berühmt, und der Himmelskörper wurde damit einer der wenigen Kometen, die nicht nach ihrem Entdecker, sondern nach dem Bahnbestimmer benannt wurden.

2P/Encke in StarryNight

Die Bahn des Kometen 2P/Encke im Sonnensystem

Der Komet wurde nach einem Umlauf wiederentdeckt und die Bahn abermals berechnet. Dabei ergab sich eine Verlangsamung der Umlaufzeit um wenige Stunden, die Encke auf ein Medium im interstellaren Raum zurückführen und damit auch Störungen bei den Planeten erklären wollte. Die sich in den folgenden Umläufen gering aber stetig abschwächende Verlangsamung konnte später mit dem Gegenschubeffekt durch die Ausgasung des Kometen erklärt werden. Der Enckesche Komet konnte zudem mit dem Tauriden-Meteorstrom in Verbindung gebracht werden.

1822 war Encke Direktor der Sternwarte bei Gotha geworden, aber schon 1825 wurde er vom König nach Berlin gerufen. Er begann dort mit der Planung einer neuen Sternwarte. Mit der Unterstützung Alexander von Humboldts (1769-1859) beim König Friedrich Wilhelm III. wurde die Sternwarte im damaligen Süden von Berlin gebaut. Der Architekt der Sternwarte war Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Der Observatoriumsbau hatte ein vom restlichen Gebäude unabhängiges Fundament und eine drehbare 8-Meter-Kuppel. Hauptbeobachtungsinstrument war ein 9"-Fraunhofer-Refraktor. Das Gebäude war 1835 fertiggestellt. Encke wurde Direktor dieser neuen Sternwarte.

Im Museum:

Die neue Sternwarte in Berlin, Ölgemälde von Carl Daniel Freydanck (1811-1887), 1838

In der Folgezeit beschäftigte Encke sich mit der Entdeckung und Bahnbestimmung weiterer kurzperiodischer Kometen und Planetoiden. Aber auch die großen Planeten wurden mit den neuen Geräten beobachtet. So entdeckte Encke 1837 eine (rund 325 Kilometer breite) Lücke innerhalb des A-Rings des Saturn, die nach ihm benannte Enckesche Linie. Enckes Assistent Johann Gottfried Galle (1812-1910) entdeckte den dunklen, inneren C-Ring des Saturns während der maximalen Ringöffnung 1838. Galle entdeckte 1846 den letzten großen Planeten des Sonnensystem - Neptun - nach den Berechnungen von Urbain Leverrier (1811-1877). Er wurde 1851 Direktor der Sternwarte in Breslau.

Encke war 1844 Universitätsprofessor für Astronomie in Berlin geworden, ließ sich davon aber 1863 befreien. Er blieb Direktor der Sternwarte bis zu seinem Tod am 26. August 1865 in Spandau. Seine Nachfolge an der Sternwarte übernahm Wilhelm Julius Foerster (1832-1921).

Quellen:
Jaqueline Mitton: Penguin Dictionary of Astronomy, Redshift 2, Maris Multimedia 1993
Joachim Herrmann (Hrsg.): Das große Lexikon der Astronomie, Orbis 1996
Fritz Krafft, Adolf Meyer-Abich (Hrsg.): Große Naturwissenschaftler - Biographisches Lexikon, Fischer 1970

Seitenhistorie:
erstellt 1998-12-14
geändert 2003-08-06 Template

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