Wir mögen aufsteigen von dieser beschränkten Erde und,
von oben auf sie herabblickend, bedenken, ob die Natur all ihre Pracht
und Herrlichkeit nur auf dieses Häufchen Dreck verschwendet hat.
So werden wir, wie Reisende, die in anderen, fernen Ländern weilen,
ein besseres Urteil über die Vorgänge zu Hause gewinnen und
ein jeglich Ding nach seinem wahren Wert schätzen.
Das, was die Welt groß nennt, werden wir weniger bewundern und all
die Nichtigkeiten, an die die Mehrzahl der Menschen ihr Herz hängt,
edel verachten, wenn wir wissen, daß es eine Vielzahl bewohnter und
ebenso gut ausgestatteter Welten wie die unsere gibt.
(Christiaan Huygens in "Die Entdeckung der Himmlischen Welten",
um 1690, aus Carl Sagan: "Unser Kosmos", Droemer-Knaur 1982)



Christiaan Huygens

Die Welt ist mein Vaterland, die Wissenschaft meine Religion

Portrait

Cristiaan Huygens (1629-1695), Naturwissenschaftler

Am 14. April 1629 wurde Christiaan Huygens in Den Haag geboren. Sein Vater war Constantijn Huygens (1596-1687), ein holländischer Staatsmann und Künstler, bei dem bedeutende Dichter, Maler und Philosophen seiner Zeit zu Gast waren, so unter anderem Rubens, Rembrandt und Descartes. In der weltoffenen Großfamilie aufgewachsen studierte Christiaan Huygens zuerst Rechtswissenschaften wie Pierre de Fermat (1601-1665), dann aber Mathematik und Naturwissenschaften.

Er stand mit Antony van Leeuwenhoek (1632-1723) in Verbindung, der als der beste Mikroskopbauer seiner Zeit galt und die Linsen dazu nicht nur aus Glas, sondern auch aus Bergkristall und Diamant schliff. Huygens beteiligte sich an den Untersuchungen von Kleinstlebewesen und anderen mikroskopischen Dingen wie Spermien und Blutzellen. Seine eigenen Linsen schliff er jedoch für astronomische Teleskope. Sein größter Refraktor hatte eine Länge von fünf Metern. Mittels der von ihm entwickelten Theorie zur Wellennatur des Lichts konnte er die Lichtbrechung in den Linsen berechnen und so einen Refraktor mit verringerter chromatischer und sphärischer Aberration konstruieren. Er entwickelte auch ein eigenes, nach ihm benanntes Okular, bei dem das vom Objektiv projezierte Bild zwischen zwei unterschiedlichen Okularlinsen liegt. Es besteht aus zwei plankonvexen Linsen, die bei langen Refraktoren relativ gute Bilder liefern.

Titan in StarryNight

Titan in StarryNight

Mit seinen verbesserten Teleskopen entdeckte Huygens 1655 den Saturnmond Titan, der lange Zeit als der größte Mond des Sonnensystems angesehen wurde. Heute ist bekannt, daß der tatsächliche Durchmesser Titans mit rund 5200 Kilometern etwas geringer ist als der des rund 5400 Kilometer durchmessenden Jupitermonds Ganymed. Nach den Galileischen Monden um Jupiter war Titan der nächste gefundene, einen Planeten umkreisende Trabant. Er besitzt eine dichte Atmosphäre aus Methan und Ammoniak, die ihn größer erscheinen läßt und eine rötliche Färbung verleiht.

Saturnringstellungen

Grafik aus "Systema Saturnium" von Christiaan Huygens, 1659

Gleichzeitig untersuchte Huygens die Saturnringe, die noch aus der Zeit Galileis ein Rätsel bildeten. Huygens erkannte deren wahre Natur 1656. Die Ringe sind zu 27 Grad zur Saturnbahn geneigt, und somit sieht man sie von der Erde aus ein halbes Saturnjahr von oben und das andere halbe Saturnjahr von unten, wobei durch die Neigung der Saturnbahn zur Erdbahn kompliziertere Übergänge möglich sind. Während des Übergangs verschwinden die Ringe, weil sie im Vergleich zum gewaltigen Durchmesser sehr dünn sind: ihr maximaler Durchmesser beträgt rund 280.000 Kilometer (ohne G- und E-Ring), während die Ringe nur zehn bis rund vierhundert Meter Dicke besitzen.

Daß der Ring kein festes Objekt sein konnte folgte aus den Keplerschen Gesetzen. Um Jahrzehnte und Jahrhunderte über stabil zu bleiben mußte der Ring rotieren und konnte weder aus Gas noch aus Flüssigkeit bestehen. An der Außenkante des Rings beträgt nach den Keplerschen Gesetzen die Rotationsgeschwindigkeit 16 und an der Innenkante 21 Kilometer pro Sekunde. Ein festes Objekt würde durch die Spannung aus den Geschwindigkeitsunterschieden zerfallen. Huygens erkannte auch, daß die Ringe keine Verbindung zum Saturn besitzen. Er hielt seine Beobachtungen 1659 in dem Werk "Systema Saturnium" fest.

1. Marskarte

Die älteste überlieferte Marskarte, 1659

Wie vor ihm Galilei hielt Huygens sein Teleskop auf fast alles, was ihm der Himmel bot. Er entdeckte die Abplattung des Jupiter, zeichnete die erste Marskarte, berechnete den Marstag von rund 24 Stunden aufgrund der Beobachtung von Merkmalen auf dem Roten Planeten, vermutete, daß Venus von Wolken verhüllt sei und löste die innere Region des Orion-Nebels in Einzelsterne auf. Der hellste Teil des Nebels wird nach ihm Huygenssche Region genannt. Er entdeckte mehrere weitere interstellare Nebel und einige Doppelsterne.

Huygens entwickelte im Rahmen seiner mathematischen Studien eine vollständige Theorie des Würfelspiels, die sein Mathematik-Lehrer Frans van Schooten (1615-1660) 1657 als "De ludo aleae" herausbrachte. Huygens gilt damit als Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Obwohl die Pendeluhr vom Prinzip her schon durch Galilei und da Vinci entwickelt worden war, plante Huygens sie als erster vollständig durch und ließ eine große Anzahl von Pendeluhren bauen. Er entwickelte außerdem Uhren auf Basis von Spiralfedern bzw. Zykloidenpendel, die durch ihre von der Schwingungsauslenkung unabhängige Periodendauer eine genaue Zeitmessung ermöglichten und damit auf See zur genaueren Bestimmung des Längengrades dienen konnten. Seine entwickelten Techniken zu Chronometern schrieb er bis 1673 in seinem Buch "Horologium oscillatorium" nieder.

1660 bereiste Huygens England, 1663 wurde er als Ehrenmitglied in die britische Royal Society aufgenommen. 1666 kam er nach Paris, wo er bis 1681 an der dortigen Universität lehrte. Hier führte er auch astronomische Beobachtungen an der 1672 fertiggestellten Pariser Sternwarte zusammen mit Giovanni Domenico Cassini durch. Nach einer schweren Krankheit kehrte er nach Den Haag zum Familiensitz Hofwijck zurück. Kurz vor seinem Tod schrieb er das Buch "Die Entdeckung der Himmlischen Welten: Mutmaßungen über die Einwohner, Pflanzen und Erzeugnisse der Planetenwelten", in dem er nicht nur Leben auf den Planeten der Sonne, sondern auch auf Welten anderer Sterne postulierte. Huygens starb am 8. Juni 1695 im Alter von 66 Jahren in Den Haag.

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Nur wenige Monate nach Huygens 375. Geburtstag im Jahre 2004 erreichte die NASA/ESA-Saturn-Sonde Cassini den beringten Planeten und sendete dort die Tochtersonde Huygens zum Saturnmond Titan.

Quellen:
Carl Sagan: Unser Kosmos - Eine Reise durch das Weltall, Droemer-Knaur 1982
Joachim Herrmann (Hrsg.): Das große Lexikon der Astronomie, Orbis 1996
Fritz Krafft, Adolf Meyer-Abich (Hrsg.): Große Naturwissenschaftler - Biographisches Lexikon, Fischer 1970
Jesco von Puttkamer: Jahrtausendprojekt Mars, Langen Müller 1997

Seitenhistorie:
erstellt 1997-12-07 als himmel.98.08.html
geändert 1998-12-07 zu Huygens.html
geändert 1998-12-08 Marskarte
geändert 1999-03-23 Cassini Verbindung eingefügt
geändert 2000-02-04 Historien-Template
geändert 2004-10-16 Layout Änderung und Aktualisierungen

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