Christoph Scheiner

Die systematische Beobachtung der Sonne

aus Hemleben: 'Galilei'

Pater Christoph Scheiner beobachtet die Sonnenflecken, aus "Rosa Ursina", 1630

Christoph Scheiner wurde am 25. Juli 1575 in Wald bei Mindelheim in Bayern geboren und trat 1595 dem Jesuitenorden zu Landsberg ein. Bis 1609 studierte er in Ingolstadt Philosophie, Theologie, Mathematik und hebräische Sprache und von 1610 bis 1616 war er Professor für die letzten beiden Fächer.

In diese Zeit fällt der Beginn seiner astronomischen Aktivitäten, denn Januar 1612 wurden seine Schriften zu Beobachtungen von Sonnenflecken veröffentlicht. Da die Flecken unvereinbar mit der kirchlichen Lehre von der Reinheit und Unveränderlichkeit des Himmels und der Gestirne war, erschienen die Schriften als Briefe an den Augsburger Verleger Markus Welser unter einem Pseudonym: "Apelles latens post tabulam". Zur Beobachtung der Sonne hatte Scheiner farbiges Blendglas benutzt. Ziel der Beobachtungen war es, vorher (1611) auf der durch Nebel verdunkelten Sonnenscheibe entdeckte Flecken zu bestätigen oder zu verwerfen. Diese Flecken hatten parallel der ostfriesische Astronom Johannes Fabricius (1587-1615) (Sohn von David Fabricius (1564-1617), dem Entdecker der Veränderlichkeit von Mira, siehe John Goodricke) und der italienische Physiker Galileo Galilei (1564-1642) ebenfalls beobachtet. Die Veröffentlichung "Joh. Fabricii Phrysii de maculis in Sole observatis et apparente earm cum Sole conversione Narratio" erschien dabei schon 1611, während Galileis "Istoria e dimonstrazioni intorno alle macchie solari e loro accidenti" erst im April 1613 gedruckt wurde.

Auf die Briefe Scheiners hatte Galilei jeweils Antwortschreiben verfaßt, und während Scheiner am Ptolemäischen Weltbild mit einer feststehenden Sonne festhielt und die Flecken nicht als Erscheinungen auf der Sonne, sondern eher für kleine Planeten innerhalb der Merkurbahn oder sogar im sublunaren Bereich hielt (womit die Unveränderlichkeit der Sphären hinter dem Mond gewahrt wäre), war sich Galilei der gefleckten Sonne und damit der Bestätigung des Kopernikanischen Weltbilds sicher.

Sonne vom 11.2.1999Sonne vom 16.11.1999

Die Sonne über Berlin, 11.2.1999 16 Uhr 30 und 16.11.1999 15 Uhr MEZ

Scheiner war einer der ersten, die für die folgenden Sonnenbeobachtungen ein astronomisches Teleskop nach den Beschreibungen von Johannes Kepler (1571-1630) baute und benutzte. Dieses aus zwei Sammellinsen bestehende Refraktorteleskop lieferte umgekehrte, seitenverkehrte, aber dafür wesentlich stärker vergrößernde und lichtstärkere Bilder.

Scheiner wirkte ab 1616 als Beichtvater und somit auch als Berater für einige Fürsten Europas. Nebenher veröffentlichte er 1619 das Werk "Oculus, hoc est: fundamentum opticum", in dem er, ohne von dem zugrundeliegenden Gesetz der Lichtbrechung in Medien zu wissen, die Brechungsindizes in den Teilen des Auges wie Linse und Glaskörper angeben konnte, die Netzhaut als Sitz des Gesichtssinns erkannte und die Funktionen von Pupille und Iris beschrieb. 1624 kam er nach Rom und widmete sich an der Sternwarte der Gregoriana der weiteren systematischen Beobachtung der Sonne. Anhand der Wanderung der Flecken berechnete er die Rotationszeiten der Sonne, die in Äquatornähe 25 Tage und in Polnähe rund 33 Tage beträgt. Er entdeckte die Rotationsachse der Sonne, die Sonnenfackeln und die Granulation der Photosphäre.

Seine Entdeckungen beschrieb er in dem Werk "Rosa Ursina", deren Druckvorlage von 1626 bis 1630 erarbeitet wurde. Viele seiner Entdeckungen konnten erst sehr viel später wissenschaftlich erklärt werden, und obwohl er von den sublunaren oder submerkurianischen Körpern abkam und die Flecken auf der Sonne tatsächlich als Oberflächenveränderungen auf dem nach Aristoteles eigentlich unveränderlichen Himmelskörper akzeptierte, so blieb er bis zu seinem Tod am 18. Juli 1650 in Neisse bei seiner Überzeugung vom geozentrischen Weltbild.

Quellen:
Johannes Hemleben: Galilei, rororo 1969
Fritz Krafft, Adolf Meyer-Abich (Hrsg.): Große Naturwissenschaftler, Fischer 1970


Seitenhistorie:
erstellt 1999-03-22
geändert 1999-03-23 Sonnenbilder eingefügt
geändert 2000-02-08 2.Sonnenbild ausgewechselt

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