Die Kinowelt, gesehen von jd




AKIN - Gegen die Wand

   
titel Gegen die Wand
regie Fatih Akin
land Dtl.
jahr 2004
laenge 121min
  Farbe
genre Romanze Drama Tragoedie
darsteller Sibel Kekilli, Birol Uenel

 
gesehen als  Gegen die Wand
gesehen auf Leinwand (Kant)
gesehen am 2004-03-23*
filmleitseite www.gegendiewand.de
inhalt Zwei tuerkischstaemmige, verhinderte Selbstmoerder, er mit dem Auto gegen die Wand, sie mit dem Messer durch den Arm, treffen im Krankenhaus nach ihren Abtrittsversuchen zusammen und geraten in einen Strudel umeinander, der in eine Scheinehe, eine Wohngemeinschaft, eine Liebe, eine Tragoedie und eine Trennung und von Hamburg nach Istanbul fuehrt.
 
eindruck o
 
kommentar  Mag sein, dass ich andere Probleme hatte und deshalb abgelenkt war, aber von Wucht, Verve und Staerke, wie es in den euphorischen Kritiken ueber den Film zu lesen war, kam bei mir nichts an. Und waehrend der Wahnsinn im Film seinen Lauf nahm, desto mehr wuchs der Abstand. Leider laesst sich der erste Eindruck eines Films selten spaeter revidieren, und wahrscheinlich wird es auch kaum einen zweiten Eindruck bei mir geben.

Ich konnte auch miterleben, dass der Film bewegend wirken konnte. Aber obwohl ich den Charakter des Abstuerzlers Cahit wiedererkennen konnte, hatte ich absolut keine Lust, mich mit ihm zu identifizieren, mich in Muellbergen und Glasscherben zu waelzen oder die Heimat zu suchen. Genauso moechte man sich dann auch nicht wirklich mit der Selbstmoerderin Sibel auf der Suche nach dem Kick identifizieren, die in der wohl drastischsten Szene des Films in den Strassen von Istanbul sich gleich dreimal zusammenschlagen und dann abstechen laesst, indem sie die Typen schon blutueberstroemt noch dazu provoziert.

Akins "Solino" hatte da trotz der sehr viel harmloseren Handlung vielleicht (zumindest in meinen Augen ziemlich sicher) mehr zu bieten, wohl auch, weil bei "Gegen die Wand" fuer alle Beteiligte ein wenig zu wenig Abstand zu Rolle, Inhalt und Mission zu bestehen schien.

Wenn man bedenkt, dass nur wenige Wochen nach der Kinopremiere ein tuerkischstaemmiger Mann, der wahrscheinlich die komplette Familie seiner Ex-Frau in Deutschland mit einem Messer und einem Teppichmesser ausgeloescht hat, in Adana gefasst wurde und sich dort vorher noch eine Schiesserei mit der Polizei geliefert hatte, dann erscheint "Gegen die Wand" bei aller gezeigter Brutalitaet sogar noch naiv und romantisch weichgezeichnet.

Dem Betrachter wird eine zusaetzliche Distanz geboten in den fast amateurmaessig vor der Istanbuler Skyline ausgeleuchteten, ausgespielten, hart geschnittenen und trennenden Jodelmusik-Zwischeneinlagen. Nichts gegen Jodelmusik: ob in Oberammergau, Oesterreich oder Ostanatolien gehoert sie sicher dazu und sie gehoert sicher auch zu dem Film, aber genauso sicher haette man das fliessender und kuerzer realisieren koennen.

Auf dem Rueckweg vom Kino ging mir (nicht nur wegen dem Film) eigentlich nur eines durch den Kopf: "Die Liebe ist ein seltsames Spiehiehiel, sie gibt dir alles, doch sie nimmt auch vielzuviel..."


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 -- jd --