Die Kinowelt, gesehen von jd




BECKER - Good Bye, Lenin

   
titel Good bye, Lenin!
regie Wolfgang Becker
land Dtl.
jahr 2002
laenge 119min
  Farbe
genre Tragikomoedie
darsteller Daniel Bruehl, Katrin Sass, Florian Lukas

 
gesehen als  Good bye, Lenin!
zitat 79qm DDR
gesehen auf Leinwand
gesehen am 2003-02-19
filmleitseite www.79qmddr.de
 
eindruck ++
 
kommentar  Keine Ahnung, warum ich lachen konnte, keine Ahnung, warum ich weinen konnte, ich bin West-Berliner. Ich konnte es. Vielleicht, weil der Film wirkt, und zwar nicht nur auf der offensichtlichen Ost-Schiene, sondern vielleicht auch fuer Leute, die nicht unbedingt in Itzehoe, Ingolstadt oder Neu-Isenburg den Kalten Krieg ueberwintert haben, sondern auf einer Insel mit 'ner Mauer drumherum. Auf einer Insel, auf der man sich nie verlaufen konnte, weil man irgendwann immer auf diese Mauer stiess. Auf einer Insel, auf der es bei Ostwind nach Braunkohleabgasen roch. Auf einer Insel, auf der man von seltsamen Leuten hinter der Mauer umzingelt war, die den Eintritt nicht wirklich wert schienen.

Aber eine Kinokarte ist schliesslich etwas billiger als der damalige Eintritt in die DDR, und so begegnet man diesen seltsamen Leuten ploetzlich im Film wieder, und ploetzlich haben sie eine meist tragische Geschichte, die man mit der noetigen Distanz erfahren darf. Sicher: Sigmund Jaehn waere auch mein Vorbild geworden, wenn ich in der DDR gelebt haette.

Ich kann verstehen, dass "Good bye, Lenin!" nicht fuer jeden die gleiche Erfahrung bedeutet, und eigentlich haette mich die Brutalstostalgie des Filmes extrem abstossen muessen. Ueberhaupt ist es fast peinlich, einen sowohl auf nationaler als auf europaeischer Ebene hochgelobten Film selbst sehenswert zu finden. Was mich an dem Film bewegt hat ist der gut herausgearbeitete Verlust eines kompletten Lebensumfeldes, das ganz sicher nicht besser, aber anders und zum Teil eben auch funkionstuechtig war. Die Folge des Verlustes ist in dem Film im Extremfall der Tod, oder aber das Erwachsenwerden. - Man kann die Ueberlebenden als wahrer Inselbewohner nur beneiden, denn sie haben einen Schritt voraus: Sie sind auf eine Weise erwachsen geworden, die einem selbst vielleicht noch bevorsteht...


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 -- jd --