Die Kinowelt, gesehen von jd




SCORSESE - Taxi Driver

   
titel Taxi Driver
regie Martin Scorsese
land USA
jahr 1975
laenge 114min
  Farbe
genre Drama Thriller
darsteller Robert deNiro, Cybill Shepherd, Jodie Foster, Harvey Keitel

 
gesehen als  Taxi Driver (DV)
gesehen auf Leinwand (Kurbel)
gesehen am 2004-02-10
inhalt Ein einsamer Taxifahrer in New York mit Schlaf- und Kontaktproblemen beginnt unter dem Einfluss der Stadt die Kontrolle ueber seine Neurosen zu verlieren...
 
eindruck +++
 
kommentar  Zu den Filmen, die man eigentlich immer sehen will, aber dann doch nie ansieht, gehoert bei vielen vielleicht "Taxi Driver". Jeder hat schonmal von dem Film gehoert, weiss so ein bisschen etwas darueber ("Ja, das ist doch mit der ganz jungen Jodie Foster..."), aber so richtig inspirierend ist die Inhaltsangabe dann doch nicht, dass es einen unbedingt ins Kino bei einer Late-Nite-Show ziehen wuerde, falls der Film ueberhaupt einmal gezeigt wird. Im Fernsehen ist er sowieso nicht oder zumindest nicht ungeschnitten zu sehen, denn er bedient sich dann doch der etwas drastischeren 70er-Jahre-Bildsprache.

Der Zustand, lange Zeit zwischen zwei Jobs zu stehen, hat aber wenigstens den Vorteil, dass man sich einen solchen Klassiker in einer persoenlichen Retrospektive antun kann. Und zudem machte 2004 die Kurbel als 3-Euro-Kino mit Off-Programm-Filmen wieder auf. "Taxi Driver" war der zweite Film in einer dienstaeglichen Kult-Movie-Reihe, und in der zweiten Woche an einem nieseligen, kalten Tag war das Kino trotzdem ueberraschend voll.

DeNiro spielt in dem Film Travis, ein einsamer Mann in New York, wohnend in einem heruntergekommenen Appartment ohne erkennbare Herkunft und ohne besonderes Ziel, der einen zwoelf-Stunden-Job als Taxifahrer in der Nachtschicht und in alle Viertel der Stadt uebernimmt, aber trotz der harten Arbeit an Schlafstoerungen leidet. Er trifft auf einen "Engel" namens Betsy (Cybill Shephert), die Wahlhelferin eines Praesidentschaftskandidaten ist, und die ihn von seinen Qualen vielleicht erloesen koennte. Seine Versuche sich der jungen, schoenen aber sproeden Frau zu naehern fangen eigentlich gut an, enden dann aber abrupt, als er sie in ein einschlaegiges Kino einlaedt, das er in seiner Schlaflosigkeit selbst oft schon allein besucht hat. Ob dieser Niederlage und einiger anderer Einfluesse aus seiner Arbeit und Umgebung entwickelt sich der Taxifahrer zum Raecher der Gerechten, der die Stadt vom menschlichen Schmutz und Unrat befreien will. Eines seiner erklaerten Schutzobjekte wird die minderjaehrige Iris (Jodie Foster), die als Strassenfee fuer ihren Zuhaelter (Harvey Keitel) anschaffen geht. Im Showdown mordet sich Travis dann durch das Stundenhotel, versagt aber mangels Munition darin, sich vor dem Eintreffen der Polizei selbst umzubringen und wird durch Zufall zum Held.

Ohne grosse Umschweife und Beschoenigungen zeigt "Taxi Driver", wie sich ein einsamer Mensch in der Stadt zum Amoklaeufer entwickelt, und der Film ist damit (ebenfalls) einer von denen, die im heutigen Amerika wohl kaum noch moeglich waeren. Dabei ist die Thematik auch dreissig Jahre nach dem Film aktuell, und wird in Filmen wie "Phone Booth" (2002) zwar annaehernd, aber kaum noch so eindringlich wieder aufgegriffen. - Wie einflussreich, wie "cool" "Taxi Driver" war und ist, das zeigt sich auch an Zitaten in anderen Medien, so unter anderem durch den deNiro-Monolog in "Black City" auf "Doubts & Convictions" der Troublemakers (von 2001).


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 -- jd --