Die Kinowelt, gesehen von jd




SHAINBERG - Secretary

   
titel Secretary
regie Steven Shainberg
land USA
jahr 2002
laenge 104min
  Farbe
genre Komoedie
darsteller Maggie Gyllenhaal, James Spader, Jeremy Davies

 
gesehen als  Secretary
gesehen auf Leinwand (Kant)
gesehen am 2003-10-07*
inhalt Lee Holloway, die sich gelegentlich Schmerz zufuegt, um den inneren Schmerz auszugleichen, wird nach ihrer Entlassung aus der Psychiatrie Sekretaerin beim Rechtsanwalt E. Edward Gray, und tatsaechlich haben sich der richtige Arbeitgeber und die richtige Arbeitnehmerin gefunden, sie wissen es nur noch nicht so richtig...
 
eindruck ++
 
kommentar  Die erste Ueberraschung bei diesem Film war: Noch in der zweiten Spielwoche war das vielleicht 150 Plaetze beinhaltende Kino voll. Die zweite Ueberraschung war der Film selbst: Ich hatte befuerchtet, dass der Film ziemlich peinlich und nicht wirklich lustig sein wuerde, und die erste Szene schien diese Befuerchtung zu bestaetigen, aber dann kam alles ganz anders.

In der ersten Szene sieht man Sekretaerin Lee, wie sie in einem eleganten Kostuem mit Halsfessel und in ein Prangergeraet eingespannt Papiere heftet, ein Schreiben mit dem Mund aus der Schreibmaschine zieht, eine Kaffeetasse aufnimmt und selig laechelnd in der Tuer des Chefs verschwindet. Es folgt eine Einblendung: "Sechs Monate vorher".

Man sieht, wie die gleiche aber doch eine ganz andere Lee aus einem Krankenhaus oder einer Anstalt entlassen und von ihrer sehr fuersorglichen Mutter abgeholt wird. Dabei sieht man auch auf dem ersten Blick, dass sie nicht wirklich geheilt ist und eher selber ueber die Entlassung ueberrascht ist. Und tatsaechlich muss man miterleben, wie sie bei der ersten Krise im elterlichen Haus mit einem trinkenden Vater und seltsamer Verwandschaft zu alten Gewohnheiten zurueckkehrt. Aber sie beginnt auch Maschine schreiben zu lernen und sucht eine Anstellung, die sie zum Haus des Anwalts E. Edward Grey fuehrt. Dieser hat vor seinem Haus ein Schild "Sekretaerin gesucht" zu stehen, das wie bei stark frequentierten Motels eine Beleuchtung zum ein- und ausschalten hat, das einiges ueber die Dauer der Anstellungen vermuten laesst. Lee kommt in das Haus, als ihre Vorgaengerin gerade mit dem sprichwoertlichen blauen Auge davonkommt und bekommt nach einigem Zoegern die Stelle.

Was dann folgt ist ein Kampf der beiden etwas gestoerten Psychen umeinander und fuereinander gegen sich selbst und gegen ihre Umwelt.

"Secretary" ist eine solide Komoedie, die ihre Charaktere nichtsdestotrotz liebevoll und tiefgruendig zeichnet, das Thema leicht und doch ernst nimmt und am Ende ein gewisses Happy End anbietet. Die Schauspieler sind hervorragend, einzig schade ist es fast, dass Jeremy Davies nach dem "Snaut" in Soderberghs "Solaris" mit "Peter" wieder einen wirren Charakter spielen muss - auch wenn er das gut kann. (Ich habe letztens gesehen, dass er ebenfalls als "Irrer" einen Gastauftritt in einer Folge "Deep Space Nine" hatte. Er bleibt also bislang seine Rolle treu.) James Spader (der Wissenschaftler aus "Stargate") als "E. Edward Grey" wirkt anfaenglich wie eine krasse Fehlbesetzung, aber das wird in der zweiten Haelfte des Films zumindest abgeschwaecht, wenn auch sein Charakter etwas mehr an Kontur zugebilligt bekommt.

"Secretary" ist ein neuzeitliches Maerchen um nicht normale Menschen, und in diesem Aspekt ist es realer als Filme wie "Ein Chef zum verlieben" oder "Waehrend Du schliefst". Aber natuerlich bleibt es ein Maerchen - und kann mit diesem Aspekt gut umgehen. Am Ende des Films bemerkt man moeglicherweise an sich selbst ein leichtes Grinsen im Gesicht und den Gedanken: Wer ist heutzutage schon noch normal? (Ausser man selbst, natuerlich.) Daran wird man erinnert, und das ist auch gut so.


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 -- jd --