Die Kinowelt, gesehen von jd




TARKOWSKI - Nostalghia

   
titel Nostalghia
regie Andrej Tarkowski
land Italien/UdSSR
jahr 1983
laenge 130min
  schwarz-weiss/Farbe
genre Drama
darsteller Oleg Jankowski, Domiziana Giordano, Erland Josephson

 
gesehen als  Nostalghia
zitat 1 + 1 = 1 - Ein Tropfen und ein weiterer Tropfen machen einen groesseren Tropfen, nicht zwei.
gesehen auf Leinwand (Delphi)
gesehen am 2003-10-05
inhalt Ein russischer Dichter in Italien sucht nach den Spuren eines ebenfalls russischen Komponisten, trifft dabei einen Verrueckten und rettet die Welt unter Einsatz seines Lebens.
 
eindruck +++
 
kommentar Nostalghia ist in vielerlei Hinsicht eine persoenlichere, bildlich stark weiterentwickelte und um die Science Fiction befreite Version von "Stalker". Das Besondere aber, das Herausragende dieses Filmes sind seine Bilder, die immer wieder innehalten und aus den drei Dimension Hoehe mal Breite mal Zeit Gemaelde aus Hoehe mal Breite mal Tiefe machen mit Spiegeln, Texturen, Weite oder Raum. Film wird ueberdeutlich zu fast jeder Zeit Gemaelde, und Gemaelde wird Bild fuer Bild aneinandergereiht zu Film. Wer es nicht schafft, auch nur ansatzweise die irrationale Schoenheit der einzelnen Bilder, ob innerhalb oder ausserhalb von Gebaeuden und Raeumen zu erkennen, der sollte sich am besten seine beiden Augen durch Holzbaelle ersetzen, denn er wird auch weiterhin mit seinen Augen nichts besonderes mehr sehen. Zumindest nicht mehr im Kino. Ich hatte bei fast jeder neuen Einstellung und bei manchen Szenen mehrfach verbluefft und fasziniert mit dem Kopf geschuettelt. Die Bilder des Filmes sind einfach unglaublich, ausgestattet mit einer Aesthetik ohne jeden schlechten Beigeschmack. Nostalghia hat etwas Ultimatives, das in "Solaris" und "Stalker" schon seine in sich sehenswerten Rohversionen hatte. In Nostalghia sind es nicht nur die nebligen Landschaften oder die halb oder ganz zerfallenen Kirchen, die roemischen Gebaeude, sondern selbst in der unregelmaessig gewellten, durch Licht und Dunkelheit hervorgehobenen Hotelwand ist eine atemberaubende Natuerlichkeit der Dekonstruktion zu finden. Wie in "Solaris" spuehrt und sieht man eine Erschoepfung des Protagonisten, die dem gesamten Film eine herausragende Tragik gibt, und war in "Solaris" die Erschoepfung noch hervorgerufen durch die abstrakte Trauer um die verlorene Liebe zu einem anderen Menschen, so geht die Trauer in "Nostalghia" wesentlich weiter. Und vor allem kann man die Trauer ueber den Verlust der Heimat und damit den Halt in der Welt nachvollziehen...


340 eintraege insgesamt (+++ ++ + o - --)kommentar?




 -- jd --