Die Kinowelt, gesehen von jd




ZHANG - Hero

   
titel Ying Xiong
andere(r) titel Hero
regie Yimou Zhang
land Hongkong/China
jahr 2003
laenge 99min
  Farbe
genre FarEastern Action Drama
darsteller Jet Li, Maggie Cheung, Ziyi Zhang

 
gesehen als  Hero
gesehen auf Leinwand (Zoo)
gesehen am 2003-06-28
filmleitseite www.hero-film.de
inhalt Im Zeitalter des ersten Kaisers von China will ein einsamer, unbekannter Ritter die drei groessten Feinde des Kaisers getoetet haben und erhaelt dafuer eine Audienz.
 
eindruck o
 
kommentar  Nach "Happy Times", einer intelligenten, zynischen und realsozialistisch-kapitalistischen Satire ueber das neue China zeigt "Hero" einen ganz anderen Zhang, wie man es nicht vermutet haette. Gehirnwaesche? Umerziehungslager? Was ist die Ursache? Oder ist der Film ein Intelligenztest?

"Hero" ist in seiner Aesthetik und Bildsprache ein Meisterwerk, das es versteht, sich mit den Farben der Natur und den Farben von Gewaendern und Einrichtungen auszudruecken, sei es als Gliederung des Films, Darstellung von Gefuehlen oder Charakterisierung von Personen. Die Schwertkaempfe in Hero sind das, wovon Tarantino vielleicht getraeumt hat, als er "Kill Bill" gemacht hat. Sie sind in einer Perfektion choreographiert, dass jede Nachahmung im Vergleich dazu nur scheitern kann, und wuerde der Oscar(R) in China vergeben werden, dann wuerde "Hero" wohl von bester Film ueber beste Kamera, beste Hauptdarsteller, beste Nebendarsteller, beste Kulisse etc. pp. alle Trophaeen abraeumen.

Trotzdem oder gerade deshalb ist "Hero" hochgradig zwiespaeltig. Waere der Film in seiner Aesthetik eher mittelmaessig und von seinen Schauspielern her mangelhaft oder wuerde man Zhang von "Happy Times" her nicht anders kennen, so koennte man den Film getrost als uninteressant oder aergerlich abhaken, aber der Film hat eine Bildgewalt, hinter der sich eine seltsam menschenverachtende Idiologie versteckt.

Als Hauptzitat des Filmes erscheint in meinen Augen "Alle unter einem Himmel", das als Kalligraphie das Meisterwerk von zerbrochenem Schwert nach seinem Tod darstellt, das im Kaisersaal ausgerollt wird und vom Kaiser als einzigem gelesen werden kann. "Alle unter einem Himmel", dieses Motto wird als das Ziel dargestellt, fuer das am Ende der Attentaeter seine eigene Rache aufgibt und sterben muss. Zieht man die unglaubliche Aesthetik des Filmes in Betracht, die mit ihren Farben und Landschaften den Film einen idealisierten Charakter gibt, so wird dieses Motto auf keinen Fall in Frage gestellt. Und das bedeutet, der Film stellt dieses Motto nicht nur als das Ziel eines machtgierigen und brutalen Provinzkaisers hin, dem sechs von sieben Provinzen nicht genug sind, sondern er stellt es auch als das Ziel hin, dem sich alle Guten dieser Welt bis zu ihrem Tode widmen sollten.

Ein solches Motto gerade in der Zeit nach dem dritten Irak-Krieg eines Bush II. um die Ohren gehauen zu bekommen in den schoensten Bildern, die die Erde zu bieten hat, ist schon ein starkes Stueck. Der Film muesste dem amerikanischen Koenig von Gottes Gnaden gefallen haben, denn "Alle unter einem Himmel" beschreibt genau das, was er propagieren laesst: Multipolaritaet ist doppelplusungut, ganz zu schweigen von Krieg ist Frieden... koste es, was es wolle!


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 -- jd --