Sonnenuhren in
Berlin und Umgebung

Sonnenuhren in Charlottenburg und Pankow


In der Pestalozzistraße in Berlin-Charlottenburg befindet sich auf dem zweiten Innenhof der Volkshochschule ziemlich hoch an dem aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammenden Backsteingebäude eine Wandsonnenuhr:

Sonnenuhr an der VHS in der Pestalozzistr., Charlottenburg, Foto mit Pentax MZ-5 + FA70-200mm (188kB)

Sonnenuhr an der Volkshochschule in der Pestalozzistr., Berlin-Charlottenburg, Spätfrühling 2000

Dabei muß man auf dem ersten Innenhof die rechte Tür wählen, um zum richtigen Innenhof zu kommen. Die Sonnenuhr ist eine Vormittagssonnenuhr, und dementsprechend besitzt sie einen zum Frühaufstehen aufmunternden Text: "Früh zu Bett und früh heraus bringt Frohsinn, Kraft und Geld ins Haus." Ich bin zwar eigentlich kein Frühaufsteher, aber ein Bild von Mitte April 2004 (wenn Sonnenuhren relativ genau gehen) und von kurz nach sieben Uhr morgens (acht Uhr MESZ) zeigt einen echten Schlagschatten.

Sie ist offenbar eine der genaueren Sonnenuhren Berlins, denn sie besitzt als eine der wenigen Uhren ein tatsächlich funktionelles System an Zeitgleichungsschleifen auf dem Ziffernblatt. Das obige Bild von 2000 verweist auf sich selbst und ist für diese Seite herunterskaliert von eigentlich 740x512 Pixel.


Sonnenuhr an der Cauer-Schule

Sonnenuhr am Gebäude der Cauer-Grundschule, Berlin-Charlottenburg, Herbst 1997

Das obige Bild zeigt die Sonnenuhr am Gebäude der Cauer-Schule in Berlin-Charlottenburg, fotografiert am gleichen Tag wie die Sonnenuhr am Einsteinturm und an der Potsdamer Mühle. Das Bild verweist auf eine Aufnahme, die im Winter 1995/96 (Februar 1996 105kB GIF) mit einer Minox 35ML gemacht wurde.

Die Schule liegt an der sehr stark befahrenen Cauerstraße in der Nähe der Otto-Suhr-Allee, die wiederum kurz nach der Einmündung der Cauerstraße auf den Ernst-Reuter-Platz trifft.


Sonnenuhr am Savignyplatz

Sonnenuhr am Savignyplatz, Berlin-Charlottenburg, Sommer 1999

Am Savignyplatz in Berlin-Charlottenburg existiert prinzipiell keine Sonnenuhr, aber am Rand des von der Kantstraße durchschnittenen Platzes liegt ein sehr altes Eisenwarengeschäft, in dessem zum Savignyplatz zeigenden Schaufenster eine Sonnenuhr im Sommer 1999 seit mindestens einem Vierteljahr ausgestellt war. Die Sonnenuhr zeigt zwar nicht die Zeit, könnte aber prinzipiell sofort aufgestellt oder installiert werden und ist eine der schöneren Uhren für den Kleingartenbesitzer. Das obige GIF verweist auf ein JPEG (65kB) der gleichen Fotografie, gemacht ebenfalls mit der Minox 35ML.

Einige Monate nach dem Foto war die Sonnenuhr verkauft. Im Sommer 2004 war im selben Fenster eine Wandsonnenuhr (JPEG, 88kB) für einen Südseitenwand mit einer Skala von 8 bis 16 Uhr und der Numerierung 9 - 12- 3 in arabischen Ziffern zu finden. Aktuell (2008) ist auch diese Uhr verschwunden...


Warum also eine nicht mehr existente, nicht ausgerichtete Sonnenuhr zeigen? - Weil: jede Sonnenuhr zählt, und nur um die hundert Meter entfernt ist eine tatsächlich funktionierende Sonnenuhr zu finden:

Sonnenuhr in der Grolmanstraße

Sonnenuhr in der Grolmanstraße, Berlin-Charlottenburg, Winter 2000

Die Grolmanstraße geht vom Savignyplatz ab, und in Sichtweite zum Platz an der Fassade Grolmanstraße 53/54 ist eine vergleichsweise große, aufgemalte Mittags-/Nachmittags-Sonnenuhr zu finden. Selbst diese Sonnenuhr soll hier gezeigt sein, obwohl sie ein No-No enthält, das sie als nach 1980 entstanden bzw. aktualisiert entlarvt: Ziffern zur "Sommerzeit"! Die Numerierung fängt mit 11 Uhr lokaler Zeit (schwarz) / 12 Uhr lokaler Zeit+1 (pfui: weiß ;-) an und hört bei beieindruckender 21 Uhr lokaler Zeit / 22 Uhr lokaler Zeit+1 (bzw. 9/10 Uhr abends) auf.

Die ansonsten einfach gehaltene Uhr enthält die Inschrift: "Alles braucht Zeit, Zeit verbraucht alles."


Die folgende Sonnenuhr ist in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Eichkamp zu finden, was trotz der Nähe zum Grunewald noch zu Charlottenburg gehört:

Fotos: Olympus E-100RS

Sonnenuhr Am Fliederbusch, Berlin-Charlottenburg, Spätwinter 2001/2002

Die obige Sonnenuhr ist der Form nach identisch mit der Armillarsphäre am Volkspark Wilmersdorf, der einzige Unterschied ist der grünliche Anstrich. Auch diese Sonnenuhr ist nicht katalogisiert, befindet sich aber in der Nähe einer katalogisierten, kaum funktionellen Uhr am Eichkamp.

Der Form und Aufstellmöglichkeit nach kann die Sonnenuhr am Fliederbusch prinzipiell wesentlich genauer als die zwei Wanduhren in Potsdam-Babelsberg die Zeit anzeigen, und tatsächlich zeigt die Uhr etwa 12 Uhr 15, während die Kamera für die obigen Fotos (das referenzierte Detailfoto ist ein 202kB 740x1000 Pixel großes JPEG) 12 Uhr 36 als Uhrzeit vermerkt hat. Fügt man der Sonnenuhrzeit 12 bis 13 Minuten hinzu, die die Sonnenuhr nach der Zeitgleichung an einem 3. März falsch gehen muß, und fügt man zudem noch etwa 7 bis 8 Minuten für die rund zwei Meridiangrade hinzu, die die Sonnenuhr vom 15. Meridian entfernt steht, so sind dann interne Kamerazeit und korrigierte Sonnenuhrzeit plötzlich fast gleich...


Ob Sonnenuhren, die die Zeit nicht anzeigen können, weil sie vollkommen falsch aufgestellt sind, tot oder nur komatös sind, sei dahingestellt. Eine solche nichtfunktionale Sonnenuhr findet sich in der Lambertstraße in Charlottenburg in unmittelbarer Nähe vom S- und U-Bahnhof Jungfernheide:

Die Gartensonnenuhr in der Lambertstr., Foto (110kB)

Die Garten-Sonnenuhr in der Lambertstraße, Berlin-Charlottenburg, Herbst 2002

Die Sonnenuhr ist in einem Garten in West-Ost-Richtung installiert, d.h. der Polstab zeigt zum Sonnenuntergang und die eigentlich nur eine halbwegs genaue Nord-Süd-Ausrichtung benötigende Sonnenuhr (etwaige Winkelfehler könnten durch Drehen der Armillarsphäre ausgeglichen werden) ist dadurch verdammt, zu keiner Tageszeit irgendeine richtige Uhrzeit anzeigen zu können. Die Sonnenuhr hat dabei als weiteres Problem Wohnblocks in Südrichtung, die zumindest um die Mittagszeit ihre Schatten auf die Uhr werfen.

Das obige Bild verweist auf eine Totale der Sonnenuhrumgebung (225kB JPEG), die den spätherbstlich begrünten Bahndamm der S-Bahn- und Fernbahn-Strecke Jungfernheide-Beusselstraße zeigt. Das obige Detailbild war auch WFS Bild der Woche 35/03.


Eine weitere Berliner Sonnenuhr, die zu einem privaten Garten gehört und die nicht mehr funktioniert zeigt das folgende Bild:

Die Gartensonnenuhr am Goerdeler Damm 26, Foto (74kB)

Die Garten-Sonnenuhr am Goerdeler Damm, Berlin-Charlottenburg, Winter 2003/4

Auch hier handelt es sich um einen typischen Fall von zu-spät-gekommen, denn zwei oder drei Jahre zuvor war diese Sonnenuhr noch intakt gewesen und hatte auch relativ genau die Zeit anzeigen können, denn die in der Wand des Gartenhäuschens eingelassenen Stundenmarkierungen sind offensichtlich relativ genau für die nicht ganz nach Süden weisende Wand positioniert. Das aus der Wagenradnabe herausgehende Gnonom aber wurde irgendwann in 2003 nach oben gebogen. Besonders traurig daran ist, daß nur wenige Parzellen weiter eine andere Wandsonnenuhr ebenfalls mit relativ gut ausgerichteten Stundenmarkierungen ähnlich außer Funktion gesetzt wurde, indem das Gnonoms orthogonal zu Wand verbogen wurde - und nun als Blumentopfhalterung dient.

Das obige Bild verweist auf eine Ansicht des Goerdeler Damms von 2004 (94kB JPEG), die vielleicht ein Indiz zur Ursache der "Verrohung" der Kleingartenbesitzer in dieser Gegend gibt: Seit 2002 ist der ehemals grüne Streifen mit Bäumen und Sträuchern auf der auf dem Bild rechten Seite der A100 verwüstet, um dem Westhafenkanal eine irrsinnige Breite für etwaige Lastschiffe zu verpassen...


Damit aber nicht der Eindruck entsteht, in Berlin im Allgemeinen und in Charlottenburg im Speziellen gäbe es hauptsächlich kaputte oder falsch aufgestellte Sonnenuhren, hier eine Sonnenuhr, die offenbar auch bei einer Renovierung des dazugehörigen Hauses zumindest erhalten geblieben, wenn nicht sogar mit renoviert worden ist:

Die Sonnenuhr in der Laenderallee, Foto (98kB)

Die Sonnenuhr in der Länderallee, Berlin-Charlottenburg, Sommer 2003

Die Sonnenuhr ist ein Zufallsfund vom Oktober 2002: Man findet sie, wenn man von der Heerstraße in der Nähe vom S-Bahnhof Heerstraße nicht in den Grunewald Richtung Teufelsberg, sondern in die Badenallee in das Straßengewirr von Neu-Westend geht. Dort ist das Haus dann von der Badenallee kommend gleich an der ersten Kreuzung hinter der Heerstraße.

Das obige Bild verweist auf eine Nahansicht der Sonnenuhr (179kB JPEG), bei der auch die Überschrift "Tempus vincit omnia" - "Zeit besiegt alles" zu lesen ist.


Sonnenuhr am Rosa-Luxemburg-Gymnasium

Sonnenuhr am Gebäude des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums, Berlin-Pankow, Winter 1997/8

Das 568x386 142kBytes GIF zeigt einen Zoom (200mm Brennweite, aufgenommen mit einer Pentax MZ-5 auf Kodak Color Ultra 800) auf die Sonnenuhr auf der Rückseite des Schulgebäudes des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Pankow. Es referenziert auf ein JPEG (56kB) von der Vorderseite des Gebäudes in der Kissingenstr. Die Transparente aus Bettlaken an der Vorderseiten-Balkonbrüstung sind Reste der Schüler- und Studentenproteste gegen die Kürzungen im Bildungsetat am Ende 1997. Im gleichen Jahr gaben Berliner Senatsstellen 500 Millionen DM für Umzüge in andere, zum Teil teuer angemietete Bürogebäude aus.

Der zeitliche Ursprung des Gebäudes ist das frühe 20. Jahrhundert (1905), von daher hatte die Schule auf jeden Fall vorher einen anderen Namen, denn die namensgebende Rosa Luxemburg wurde 1871 in Polen geboren und erstmals 1893 als Mitbegründerin der polnischen sozialistischen Partei bekannt. Im 1. Weltkrieg war sie längere Zeit in Deutschland im Gefängnis aufgrund ihrer Einstellung gegen den Krieg. 1918 gründete sie mit Karl Liebknecht die deutsche kommunistische Partei. Der Tag ihrer Ermordung am 15. Januar 1919 jährte sich in diesem Jahr zum 85. Mal.

In der Nachbarschaft der Schule liegt eine Kirche (54kB JPEG), die in den 80er Jahren renoviert worden war. Das Witzige an der Kirche ist, daß der Turm zwar Ziffernblätter für eine Uhr aber keine Zeiger hat. Dem Glücklichen schlägt eben keine Stunde...


Manche der Sonnenuhren sind zwar noch als Sonnenuhren zu identifizieren, aber sie wurden schon vor langer Zeit der Möglichkeit, irgendeine Zeit anzuzeigen beraubt. Auch in Berlin und Umgebung existieren einige dieser traurigen Relikte. Eines davon findet man in der Görschstraße an der dortigen in den Anfängen des 20. Jahrhunderts entstandenen Schule:

Schule in der Goerschstr. Foto (76kB)

Sonnenuhr an der Schule in der Görschstraße, Berlin-Pankow, Frühling 2001

Die Sonnenuhr ist im Katalog der Sonnenuhren in Deutschland und der Schweiz von 1994 verzeichnet und die Nachmittagssonnenuhr wird als "Relief mit zwei Skulpturen und freien Ornamenten" aus Kunststein mit dem Entstehungsjahr 1912 und barockem Stil beschrieben. Auch schon zum Zeitpunkt der Katalogisierung fehlte wie auch im Frühling 2001 der Schattenstab.

Das obige Bild von der Sonnenuhr verweist auf eine Gesamtaufnahme der Schule (106kB JPEG), bei der die Sonnenuhr ganz am linken Bildrand mit enthalten ist. Die Uhr ist in etwa 12 Metern Höhe unterhalb des Dachsims angebracht. In unmittelbarer Nähe zur Schule befand sich an einem nicht mehr ganz taufrischen Wohnhaus zur Zeit der Aufnahmen auch dieses Relikt an der Hauswand...


Zum Index...weiter...-- jd --